strom und gebäude

Die Energiestrategie 2050 des Bundes, der starke Zuwachs an erneuerbaren Stromerzeugungen und die liberalisierten Strommärkte stellen die Versorger vor neue Herausforderungen. Eine SIA Fachtagung am 2. Juli in Zürich trug dazu bei, auf diesen Feldern die richtigen Weichen zu stellen.

Im Gegensatz zur bisherigen unidirektionalen Stromversorgung wird mit der steigenden Bedeutung der dezentralen Stromerzeugung eine bidirektionale Stromversorgung generiert, welche dem Gebäude eine neue Rolle zuweist. Sowohl bezüglich Netzstabilität und Lastmanagement als auch den ökonomischen Kriterien ist eine deutliche Dynamisierung absehbar. Vor diesem Hintergrund wurden die massgebenden Aspekte unter dem Titel „Strom und Gebäude – Wirtschaftliche, technische und gesellschaftliche Aspekte der dezentralen Stromversorgung“ an der für 2. Juli 2014 geplanten SIA-Fachtagung an der ETH Zürich exemplarisch beleuchtet und diskutiert.

Im Gegensatz zur zentralen Stromversorgung versteht man unter dezentraler Stromversorgung die Energiebereitstellung durch kleinere Anlagen in Verbrauchernähe. Diese Kraftwerke der unteren Netzebene sind momentan noch nicht in die üblichen Prozesse zur Erhaltung der Systemstabilität eingebunden. Das ist bislang kein Problem, da diese Anlagen nur rund 3% der Schweizer Stromproduktion ausmachen. Mit Blick auf einen künftig verstärkten Ausbau ist es allerdings von grossem Vorteil, wenn sie besser ins System integriert werden. Läuft zum Beispiel die Förderung weiterhin über eine fixe Vergütung (KEV), kann es vorkommen, dass die Anlagen auch dann einspeisen, wenn im Netz schon ein Überschuss an Strom vorhanden ist. Eine solche Situation äussert sich am freien Markt mit der Absurdität von negativen Strompreisen: wer Strom verbraucht, erhält dafür Geld; wer Strom einspeist, muss dafür bezahlen. Kraftwerksüberkapazitäten müssten in diesem Fall eigentlich vom Netz genommen oder es sollten entsprechende zusätzliche Speichermöglichkeiten genutzt werden. Erhalten die Erzeuger aber wie bisher mit der KEV eine fixe Einspeisevergütung, laufen diese Kraftwerke weiter und tragen zum Ungleichgewicht im System bei. Die künftige Kombination mit der herkömmlichen zentralen Stromerzeugung führt zur bidirektionalen Stromversorgung und muss technisch und ökonomisch elegant gelöst werden.

Dies birgt Herausforderungen bezüglich Übertragungs- und Verteilnetzen, Angebots- und Bedarfssteuerung, Speicherung und Umwandlung und Versorgungssicherheit. Ausserdem stellen sich Fragen bezüglich des energetischen Potentials, des Leistungspotenzials, der Investitions- und Betriebskosten und je nach Art der genutzten Energie der Auswirkungen auf die Umwelt. Entsprechend kontrovers wurde das Thema an der SIA-Fachtagung diskutiert. Die Hauptfragen lauteten:

  • Welches sind die ökonomischen, gesellschaftlichen und technischen Chancen und Risiken bei einer vermehrt dezentralen Stromerzeugung, -speicherung und -verteilung?
  • Mit welchen technischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen haben wir es zu tun und welche Herausforderungen gilt es zu lösen?
  • Auf welche bereits erfolgten Anwendungen in Einzelgebäuden, Arealen, Gemeinden und entsprechenden Erfahrungen kann aufgebaut werden?

Antworten auf diese und weitere Aspekte rund um das Thema « Strom und Gebäude – Wirtschaftliche, technische und gesellschaftliche Aspekte der dezentralen Stromversorgung » gab die Tagung, die der SIA gemeinsam mit Energie Schweiz durchführte.

Der SIA verstand die Tagung als Wissenspool und Austauschplattform für Fachleute unterschiedlichen Hintergrunds, mit dem Ziel, mögliche Lösungswege für die Umsetzung der Energiestrategie 2050 im Bereich der Stromversorgung aufzuzeigen, zu diskutieren und zu verdichten.

 

Adrian Altenburger, SIA Vizepräsident und Präsident Fachrat Energie.

 

SIA-Fachtagung Strom und Gebäude – Wirtschaftliche, technische und gesellschaftliche Aspekte der dezentralen Stromversorgung, am 2. Juli 2014, 9.00 - 17.30 Uhr an der ETH Zürich

 

sanu, Präsentationen der Fachtagung Strom und Gebäude

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