Unternehmensrecht


Unsere KMU, eine AG mit 12 Mitarbeitenden, könnte in etwa zwei Monaten u.a. wegen Corona ein Liquiditätsproblem bekommen. Wir sind zwei gleichbeteiligte Mitinhaber, welche in führender Position in der Firma arbeiten. Wir möchten während zwei bis drei Monaten auf unseren Lohn (bzw. den grössten Teil davon) verzichten und damit das Liquiditätsproblem überbrücken. Ist das legal (Steuerproblematik?) oder was muss gemacht werden, dass das möglich ist? Wir erachten das als die einfachste Art, kurzfristig Privatkapital einzuschiessen. Mit unserem dritten, ebenfalls gleichbeteiligten Mitinhaber, welcher nicht mehr in der Firma arbeitet, möchten wir entweder einen vergleichbaren Kapitaleinschuss vereinbaren oder auf der Basis eines unterschiedlichen Kapitaleinschusses eine Übertragung von Aktien vereinbaren. Wir drei bilden den Verwaltungsrat der Unternehmung.


Grundsätzlich können Sie als Mitinhaber auf Ihren Lohn verzichten, ohne dass das für Sie persönlich steuerliche Konsequenzen hat. Sie weisen in der Steuererklärung einfach ein tieferes Einkommen aus; die Steuerverwaltung wird hier meines Erachtens keine Aufrechnung vornehmen. Es ist jedoch wichtig, dass bei einer solchen Massnahme sämtliche Mitinhaber den gleichen Beitrag leisten. Wenn beispielsweise aufgrund der Lohnverzichtsmassnahme von zwei Aktionären der Aktienwert des dritten Aktionärs steigt, ohne dass er einen Beitrag geleistet hat, könnte die Thematik der Schenkungssteuer aktuell werden. Des Weiteren sollten Sie bei einem Lohnverzicht die Sozialversicherungen nicht ausser Acht lassen, damit aufgrund des Lohnverzichtes keine Beitragslücke resultiert.
Ebenfalls muss bei einer allfälligen Dividendenzahlung für das Jahr 2020 berücksichtigt werden, dass kein offensichtliches Missverhältnis zwischen Lohn und Dividende 2020 besteht. Das heisst, eine Kompensation des Lohnverzichts mittels Dividende ist dann nicht ohne weiteres möglich.

Wenn das primäre Ziel des Lohnverzichts die Liquiditätssicherung ist, kann dieses Ziel allenfalls auch anderweitig erzielt werden: Es besteht die Möglichkeit, dass Sie die Löhne thesaurieren. Das heisst, Ihr Lohn wird monatlich «normal» abgerechnet, jedoch nicht ausbezahlt bzw. nicht voll ausbezahlt. Die Lohnzahlung wird in den Büchern als Schuld Ihnen gegenüber erfasst und kann z.B. Ende Jahr, wenn sich die Liquidität stabilisiert hat, ausbezahlt werden. Eine weitere Option, um die Liquidität zu sichern, ist ein COVID-Überbrückungskredit: https://www.easygov.swiss/easygov/#/de/landing/covid. Diese Kredite sind jedoch spätestens am Ende der Laufzeit zurückzuzahlen.