Arbeitsrecht


Gemäss Bund müssen ab 11. Mai 2020 alle Betriebe, die kein Homeoffice ermöglichen, ein Schutzkonzept erstellen. In diesem Zusammenhang wird auf branchenspezifische Schutzkonzepte hingewiesen. Was empfehlen Sie den SIA-Mitgliedern?
Diese Weisung des Bundes betrifft nur bestimmte Branchen, die aufgelistet sind (z.B. Märkte, Gastro, Coiffeure usw.). Für die Betriebe von SIA-Mitgliedern dürften (ausser in Ausnahmefällen) die ganz gewöhnlichen Büroregeln gelten (Abstände, Desinfizieren usw.). Dies bedeutet, dass ein «Standardschutzkonzept» genügt. Details und Muster eines solchen Standardschutzkonzeptes sind hier zu finden: https://backtowork.easygov.swiss/wp-content/uploads/2020/05/DE_Schutzkonzept_Bueroarbeitsplaetze_11052020.pdf

Unser Projektgeschäft ist aufgrund der Corona-Situation stark rückläufig. Teilweise können weiterhin Akquisitionstätigkeiten (v.a. über nicht entschädigte Wettbewerbe) vorgenommen werden. Aufgrund der tieferen Auslastung haben wir Kurzarbeit beantragt und bewilligt erhalten. Müssen wir nur die ausgefallenen Stunden der verrechenbaren Projektarbeit melden oder können wir auch die nicht verrechenbaren Akquisitionstätigkeiten für die Wettbewerbe in Abzug bringen?
Die Kurzarbeitsentschädigung unterscheidet nicht zwischen verrechenbaren und nicht verrechenbaren Arbeitsstunden. Effektiv geleistete Stunden – ob verrechenbar oder nicht – werden nicht durch eine Kurzarbeitsentschädigung abgedeckt. Oder andersherum formuliert: Von der ALV werden alle Arbeitsstunden entschädigt, welche ein Arbeitnehmer nicht leisten kann, da keine Arbeit vorhanden ist.

Unser Arbeitnehmer ist 10 Tage verspätetet aus seinen Ferien zurückgekehrt, weil die Behörde am Ferienort die geplante Ausreise verhinderte und eine Heimkehr erst später möglich wurde. Muss ich als Arbeitgeber dem Mitarbeiter den Lohn für die 10 Tage bezahlen?
Nein, der Grund für die verspätete Rückkehr liegt nicht in der Person des Arbeitnehmers, sondern ist auf äussere Umstände bzw. höhere Gewalt zurückzuführen. Die verspätete Rückkehr aus den Ferien geht zu Lasten des Arbeitnehmers, somit ist kein Lohn geschuldet. Falls der Arbeitnehmer jedoch wegen Gründen, die in seiner Person (also insbes. Krankheit oder Unfall) liegen, verhindert ist, ist der Lohn trotzdem (für eine bestimmte Zeit und/oder nach Ablauf der Karenzfrist ggf. gemäss Bedingungen der Krankentaggeldversicherung) geschuldet.

Ein Arbeitnehmer gehört zur Corona-Risikogruppe und kann weder im Homeoffice noch vor Ort arbeiten. Darf bzw. muss er zu Hause bleiben? Wer muss für seinen Lohnanspruch aufkommen? Besteht allenfalls Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz?
Ist Homeoffice tatsächlich nicht möglich und können am Arbeitsplatz vor Ort die aktuell angeordneten Massnahmen (Hygiene, Abstand von zwei Metern etc.) nicht eingehalten werden, so muss der Arbeitnehmer zu Hause bleiben. In diesem Fall hat der Arbeitgeber für seinen Lohn aufzukommen, sofern der Arbeitnehmer eine schriftliche Bestätigung abgibt, dass er zur Risikogruppe gehört. Der Arbeitgeber kann zusätzlich ein ärztliches Attest verlangen, mit welchem die Zugehörigkeit zur Corona-Risikogruppe bestätigt wird. Corona-Erwerbsersatzanspruch besteht nicht, wenn der Erwerbsausfall auf die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe zurückzuführen ist. Diese richtet sich an Personen, die nicht selbst am Virus erkrankt sind, aber aufgrund von Kontakt mit einer positiv getesteten Person in Quarantäne sind.