Fragen zur Einführung des Stundenaufwandmodells

  • Führen nach Einschätzung des SIA die neuen Honorarordnungen zu andern Preisen?
    Die neuen Honorarordnungen, die Regeln der Direktion und der Vollzug dieser Regeln werden dann zu höheren Vergabepreisen führen, wenn in der Vergangenheit unlauterer Wettbewerb betrieben wurde und dieser unterbunden werden kann. Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass die neuen Honorarordnungen und die flankierenden Massnahmen nicht zu noch tieferen Preisen führen werden. Es ist wahrscheinlich, dass die Vergabepreise künftig eher höher ausfallen werden - dies als Resultat des faireren Wettbewerbs, für den die Direktion sorgen will.

  • Warum hängen die prozentualen Leistungsanteile in der Tabelle 102 Art. 7.9 / 103, 108 Art. 7.11 nicht mit den Baukosten zusammen?
    Die Tabelle der Leistungsanteile strukturiert die zu erbringenden Leistungen in sechs Phasen, die nicht direkt mit den Baukosten zusammenhängen. Das Gesamthonorar (100 %) entspricht der Entschädigung für das Erbringen der erforderlichen Grundleistungen der Phase 3 (Projektierung), Phase 4 (Ausschreibung) und Phase 5 (Realisierung). Die im Leistungsbeschrieb (Art. 4) definierten Grundleistungen und die besonders zu vereinbarenden Leistungen bilden die Grundlagen zur Berechnung des Stundenaufwandes Tm. Die Abhängigkeit des Aufwandes von den Baukosten wird mit den faktorbestimmenden Baukosten im Grundfaktor p berücksichtigt.

  • Ein öffentlicher Bauherr bemängelt, der Wettbewerb spiele bei der Honoraberechnung nach dem Stundenaufwandmodell mit vorgegebenen aufwanbestimmenden Baukosten (B) zu wenig. Er weigert sich deshalb, für eine Planerausschreibung B bekannt zu geben.
    Das Argument, der Wettbewerb würde mit vorgegebenen, aufwandbestimmenden Baukosten (B) nicht spielen, wird dadurch entkräftet, dass die Stundenansätze von jedem Anbieter individuell eingesetzt werden. Zusätzlich passt er den durchschnittlichen Stundenaufwand Tm, welcher aus den Baukosten hervorgeht, durch Anpassungsfaktoren seinem Umfeld an. Werden die aufwandbestimmenden Baukosten durch den Bauherrn nicht vorgegeben, so muss diese jeder anbietende Ingenieur/Architekt ermitteln. Dies stellt einerseits einen beträchtlichen Aufwand dar, andererseits werden damit unterschiedliche Grundlagen für die Honorarberechnung geschaffen. Geht man von unterschiedlichen Baukosten aus, so differieren auch die Planungsleistungen, weil sich der durchschnittliche Stundenaufwand Tm aus den Baukosten ableitet. Wenn der Bauherr die aufwandbestimmenden Baukosten nicht bekannt gibt, wird es schwierig, die Angebote zu vergleichen, weil unterschiedliche Leistungen offeriert werden können.
     
  • Wie ist die Sekretärin mit wenigen auftragsbezogenen Stunden bei der Honorarberechnung nach Baukosten zu berücksichtigen?
    Falls die Sekretärin wenige auftragsbezogene Stunden zu verbuchen hat, erhöhen diese den Gemeinkostensatz. Der höhere Gemeinkostensatz wiederum hat Auswirkungen auf die Berechnung des angebotenen Stundenansatzes und wird somit indirekt berücksichtigt.

  • Wann veröffentlicht der SIA Kalkulationshilfen?
    Die Ermittlung des angebotenen Stundenansatzes und der büro- resp. teamspezifischen Gemeinkostenfaktoren ist mit dem SIA-Vertragstool von dg-informatik und mit usic-calculus möglich. Das umfassende Produkt der dg-informatik (Kalkulations- und Vertragshilfen) kann unter www.dg-informatik.ch, usic-calculus (Kalkulationshilfe) www.usic.ch bezogen werden.
     
  • Warum ist der Umbauzuschlag nicht in der Berechnungsformel enthalten?     
    In den Ordnungen 102 und 108 ist der Umbauzuschlag ein Aufwandzuschlag, wird in Prozenten angegeben und auf den berechneten durchschnittlichen Zeitaufwand Tm geschlagen. (LHO 102, Art. 7.16.2 / LHO 108, Art. 7.15). In der Ordnung 103 erfolgt der Aufwandzuschlag durch eine Erhöhung des Schwierigkeitsgrades n (LHO 103, Art. 7.14). Kein Zuschlag erfolgt jedoch in der Regel auf den Aufwand, welcher unter BKP 4 Umgebung und BKP 9 Ausstattung anfällt. (Art. LHO 102, Art. 7.16.3)
    In der LHO 102 ist zusätzlich eine Anpassung vorgesehen, wenn der Betrieb des Gebäudes während des Umbaus aufrechterhalten werden soll (7.16.6). Nur diese Anpassung erfolgt über den Anpassungsfaktor r (7.10).
     
  • Ist es möglich, mit dem neuen Modell des durchschnittlichen Zeitaufwandes detaillierte Stundenabrechnungen zu erstellen, bzw. können die Stundenabrechnungen aufgrund der erbrachten Stunden erstellt werden?    
    Nein. Wenn nach effektiv geleistetem Stundenaufwand honoriert werden soll, ist nach Art. 6, Honorarberechnung nach dem effektiven Zeitaufwand, vorzugehen.

  • Können der Teamfaktor i, der Faktor für Sonderleistungen s, der Anpassungsfaktor r und der Schwierigkeitsgrad n in den Teilphasen entsprechend den Teilleistungen q unterschiedlich sein?    
    Die Art. 7.1.7 (LHO 102) bzw. 7.1.4 (LHO 103 / 108) sagen aus, dass die Honorarberechnung auch phasenweise differenziert erfolgen kann. Dementsprechend können die Koeffizienten i, s, r und n je nach Teilleistung mit unterschiedlichen Werten angewendet werden.
     
  • Wie werden die Bauherren über die neuen Honorarordnungen orientiert?    
    Der SIA hat einiges unternommen, um seine Mitglieder und die Bauherren eingehend über das neue Stundenaufwandmodell zu informieren. Neben verschiedenen Präsentationen in Bauherrenkreisen versandte das Generalsekretariat Informationen an die Mitglieder der Interessengemeinschaft privater, professioneller Bauherren (IPB), an über 150 Bauämter grösserer Gemeinden, an die KBOB, Kantonsingenieure und -architekten. Denselben Kreisen wurde zudem der Aufruf der Direktion des SIA zur Wahrnehmung der Verantwortung als Bauherr zugestellt. Die Bauherren wurden dabei aufgerufen, ihre Leistungs- und Honorarausschreibungen nach den aktuellen Ordnungen des SIA zu tätigen. Speziell interessierte Medien aus Wirtschafts- und Bauherrenkreisen wurden gezielt mit Stoff bedient. Artikel erscheinen u. a. im "Schweizerischen Hauseigentümer" (Auflage 270 000 Ex.), in "Die Schweizer Gemeinde" und im "Kommunalmagazin" sowie im Bulletin "UBS-Outlook". An den Kursen von SIA-Form zum Stundenaufwandmodell nehmen zahlreiche Bauherrenvertreter teil. Zudem werden Spezialkurse für Bauherren durchgeführt. Neben der Informationstätigkeit des Generalsekretariates sollten auch die Sektionen und die Mitglieder des SIA den Bauherren das neue Modell zur Berechnung der Honorare vorschlagen und erläutern.
     
  • Kann der SIA als massgeblicher Verband der Planungsbranche die Höhe der Preise beeinflussen?    
    Der SIA fördert und fordert den Wettbewerb im Planungssektor des Bauwesens. Leistung und Honorar müssen in einem angemessenen Verhältnis stehen. Der reine Preiswettbewerb zieht indes den Wettbewerb der Leistungsminimierung nach sich. Die Bauherren müssen sich dessen bewusst werden. Letztlich werden die Preise auf dem Markt erzeugt, und dieser wird spürbar durch die Mitglieder des SIA mitgeprägt. Die Direktion des SIA will und kann die Höhe der Preise nicht beeinflussen. Hingegen kann und muss sie dafür sorgen, dass sich die Mitglieder des SIA einem fairen Wettbewerb unterziehen. Regeln und Sanktionen setzt die die Direktion als Mittel ein, um den Wettbewerb korrekt und fair auszugestalten.
     
  • Wie erreicht der SIA Transparenz bei den Angeboten? Lässt sich Preisdumping vermeiden?    
    Die Regeln verlangen, dass alle die gleichen Methoden, also die gleichen Honorar-Berechnungsmodelle anwenden (Vergleichbarkeit der Angebote), dass alle die geforderten Angaben (Berechnungsparameter) im Angebot deklarieren und begründen (Transparenz der Angebote) und dass alle ihre Stundenansätze nach den gleichen Methoden kostenbewusst ermitteln. Der SIA wird gegen Mitglieder vorgehen, welche diese Regeln missachten. Auch die vom Gesetzgeber aufgestellten Regeln im Bereich des Wettbewerbs sind verbindlich einzuhalten. Wer Werke oder Leistungen wiederholt unter den Einstandspreisen anbietet, diese Angebote in der Werbung besonders hervorhebt und damit den Kunden über die eigene Leistungsfähigkeit oder jene von Mitbewerbern täuscht, betreibt unlauteren Wettbewerb.
     
  • Wie geht der SIA vor, wenn Unregelmässigkeiten beim Preisangebot für Planungsleistungen offenbar werden?
    Der SIA wird Hinweisen im Honorarbereich sorgfältig nachgehen, verdächtige Anbieter anhören und erst aufgrund einer klaren Sachlage die vorgesehenen Sanktionen verfügen. Der SIA wird darüber so informieren, dass der Schutz der Betroffenen gewährleistet ist.
     
  • Führen nach Einschätzung des SIA die neuen Honorarordnungen zu andern Preisen?
    Die neuen Honorarordnungen, die Regeln der Direktion und der Vollzug dieser Regeln werden dann zu höheren Vergabepreisen führen, wenn in der Vergangenheit unlauterer Wettbewerb betrieben wurde und dieser unterbunden werden kann. Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass die neuen Honorarordnungen und die flankierenden Massnahmen nicht zu noch tieferen Preisen führen werden. Es ist wahrscheinlich, dass die Vergabepreise künftig eher höher ausfallen werden  dies als Resultat des faireren Wettbewerbs, für den die Direktion sorgen will.
     
  • Bestehen statistische Angaben über die durchschnittliche Aufteilung der Qualifikationskategorien bzgl. verschiedener Bauwerkskategorien und -phasen?
    Zurzeit sind keine Angaben vorhanden. Im Rahmen der Vorbereitungsarbeiten für eine statistische Erhebung des durchschnittlichen Zeitaufwandes in Stunden in Abhängigkeit der Baukosten wird diese Frage zu prüfen sein.
     
  • Ist ein Teamfaktor i anwendbar, der 0.6 oder kleiner ist?
    Abweichungen von i = 1.0 sind zu begründen. Der prognostizierte Zeitaufwand Tp soll eine realistische und plausible Angabe über den Stundenaufwand sein, um die angebotene Leistung bei definierter Qualität erbringen zu können. Es gehört zur Sorgfaltspflicht professioneller Bauherren, dies zu überprüfen. Ein Faktor 0,6 ist als unrealistisch zu betrachten.
     
  • Werden die Z-Werte jedes Jahr veröffentlicht?
    Die Z-Werte werden von der Direktion festgelegt. Sie werden nicht indexiert. Sie bleiben solange konstant, bis die Direktion einen neuen Wert bekannt gibt. Neue Werte werden durch eine statistische Erhebung in Zusammenarbeit mit anderen Planerverbänden ermittelt.
     
  • Sind die vom SIA veröffentlichten Z-Werte für die Ordnungen 102, 103 und 108 dieselben?
    Die früheren K-Werte waren für LHO 108 5 bis 8 Prozent höher als jene für die LHO 102 und 103. Heute würden die Abweichungen gemäss Visura-Untersuchung +/- 3 Prozent betragen. Bei solchen Abweichungen lohnt es sich nicht, unterschiedliche Z-Werte zu bestimmen. Die Direktion hat deshalb beschlossen, das System zu vereinfachen. Z1 und Z2 wurden für alle Ordnungen harmonisiert. Unterschiede für Tp können jedoch sehr einfach mit dem Faktor i begründet werden.
     
  • Was soll mit den alten Leistungs- und Honorarordnungen geschehen ? Sind diese immer noch anwendbar?
    In der Schweiz gilt der Grundsatz der Vertragsfreiheit. Der SIA kann die Anwendung seiner Leistungs- und Honorarordnungen nicht vorschreiben. Die Planungsbüros können ihre Methode zur Honorarberechnung frei wählen. Die Direktion des SIA ruft aber die Mitglieder auf, Angebote ausschliesslich auf der Basis der neuen Ordnungen abzugeben und insbesondere den prognostizierten Zeitaufwand offen auszuweisen. Rabatte sind nicht vorgesehen.
    K-Werte werden keine mehr veröffentlicht.

Z-Werte

Z-Werte 2015Z1Z2
Architektur, SIA 1020.06210.58
Ingenieurbau, SIA 1030.0757.23
Landschaftsarchitektur, SIA1050.06210.58
Haustechnik, SIA 1080.06611.28

  z-Werte (2005 -2015)