01.12.2017 | sia online | David Fässler

Tiefe Zinsen fördern Bautätigkeit

Der Projektierungssektor präsentiert sich weiterhin in blendender Verfassung. Dies bestätigt die KOF-Konjunkturumfrage vom Herbst 2017. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen beurteilen sie als gut.

Die Erwartungen der Umfrageteilnehmer bezüglich der Geschäftslage im nächsten halben Jahr bleiben im Vergleich zum Vormonat nahezu unverändert. Über 80% der Büros gehen davon aus, dass sich die Wirtschaftslage nicht verändern wird. Im Immobilienmarkt zeigt sich indes, dass die Leerwohnungsziffer von Mietwohnungen seit Jahren am Steigen ist und bald 1.4% erreichen dürfte. In den letzten 30 Jahren lag die Leerstandsziffer laut der Credit Suisse nur in der Periode 1996 bis 2000, also während der Immobilienkrise, auf noch höherem Niveau. Überangebote an Wohnungen gibt es vor allem ausserhalb der Städte. Dennoch ist der Optimismus berechtigt, denn so lange die Zinsen tief bleiben, wird weiterhin viel gebaut. Zuversichtlich ist man auch im Tiefbau, Infrastrukturinvestitionen wie der Bahninfrastrukturfonds machen sich positiv bemerkbar. Ab 2018 werden Gelder aus dem Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds dem Tiefbau weiteren Schwung verleihen.

Arbeitskräfte wieder mehr gefragt
Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass sich die Planungsbüros grundsätzlich positiv über die Nachfrage und die Leistungserbringung im vergangenen Quartal äussern. Die Auftragsreichweite der Planerbüros beträgt aktuell fast 11 Monate – ein nach wie vor hoher Wert. Mit 34% beklagen wieder mehr Unternehmen den Mangel an Arbeitskräften. Im 2. Quartal 2017 lag der Anteil noch bei 27%. Architektur- und Ingenieurbüros schätzen die Entwicklung der Bausummen im öffentlichen Bau positiver ein, als bei Wohnungen und industriell-gewerblichen Bauten. Die Büros erwarten in den nächsten Monaten weniger Gewinn und rund 13% gehen von einer Verschlechterung der Ertragslage aus.

Gute Stimmung in den Architekturbüros
Die befragten Architekturbüros sind seit längerer Zeit regelmässig zufrieden mit der Geschäftslage. Aktuell empfinden nur 5% der befragten Büros die wirtschaftliche Situation als schlecht. Die Aussichten bezüglich der Geschäftslage und der Leistungserbringung werden indes nicht mehr von allen Büros als gleich stabil wie auch schon betrachtet. Die Reichweite der Aufträge weist gute 12.2 Monate auf.
Die Architekturbüros schätzen die Bausummen im Wohnbau positiver ein als vor einem Jahr. Der öffentliche Bau wird dagegen schwächer eingestuft und die Bausummen im industriell-gewerblichen Bau sinken. Rund 42% der Arbeiten entfallen auf Erneuerung und Unterhalt.

Ingenieure sehr zufrieden
Auch die Ingenieure zeichnen ein positives Bild vom aktuellen Geschäftsgang. Über die Hälfte spricht von einer guten Geschäftslage, 47% von einer befriedigenden Situation und nur 2% bewerten die Lage als schlecht. Die Reichweite der Aufträge bleibt bei rund 9 1/2 Monaten stabil.
Die Umfrageteilnehmer beklagen indes wieder einen zunehmenden Arbeitskräftemangel. 41% nennen den Mangel von Arbeitskräften als Hemmnis (Vorjahr: 31%). Ein Fünftel der Ingenieurbüros weist keine Hemmnisse auf. Die Ertragslageentwicklung wird negativ eingeschätzt. Gemäss den Erwartungen für die nächsten drei Monate dürfte sich diese Entwicklung eher verstärken.


David Fässler, Fürsprecher M.B.A./ SIA Dienstleistungen, Leiter SIA-Service; david.faessler(at)sia.ch