30.05.2014 | sia online | Dirk Drechsel & Frank Peter Jäger

Situation der Architekten leicht verschlechtert

Die Geschäftslage hat sich aus Sicht der Architekten geringfügig verschlechtert. Doch sind die Auftragsbücher der befragten Architekten wie auch der Ingenieure unverändert auf ein Jahr hin gefüllt.

Im April führte die ETH-Konjunkturforschungsstelle (KOF) im Auftrag des SIA eine Umfrage unter 620 Planungsbüros durch. Die Einschätzung der Geschäftslage durch Architekten und Bauingenieure hat sich im Jahresverlauf auf hohem Niveau etwas verschlechtert, doch im Vergleich zu anderen Branchen, die Baubranche eingeschlossen, sind die Umfrageergebnisse im Projektierungssektor noch immer exzellent.

Derzeit zeigt sich eine leichte Eintrübung. Während noch im Herbst 2013 mit 66 % zwei Drittel der Befragten die Geschäftslage als «sehr gut» bezeichneten, waren dieser Meinung aktuell nur noch 60 % der Befragten; parallel wuchs der Anteil derer, die die Lage als «zufriedenstellend» bezeichnen. In dieser Abschwächung spiegelt sich die geringere Nachfrage nach Architektur- und Bauingenieurdienstleistungen: Zuletzt berichteten noch 17% der Büros von einer Steigerung der Nachfrage in den letzten drei Monaten, während 11% von einem Rückgang sprechen. Noch vor wenigen Monaten hat deutlich über 20% der Büros eine steigende Nachfrage gemeldet. Entsprechend sank auch die Anzahl der Büros, die in den letzten drei Monaten den Umfang ihrer Leistungserbringung steigern konnten. Für die nächsten drei Monate erwarten die Architekten und Bauingenieure keine Veränderung der Nachfrage, positive wie negative Stimmen gleichen sich beinahe aus. Die Beschäftigung im Projektierungssektor dürfte sich aber erneut ausweiten, Abbaupläne liegen so gut wie nicht vor.

Auf der anderen Seite stellt der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften noch immer das grösste Hemmnis bei der Leistungserbringung dar, obwohl sich die Situation etwas zu entspannen scheint. Ungeachtet der leicht nachlassenden Nachfrage nach Projektierungsdienstleistungen sind die Auftragsbücher mit einem Arbeitsvorrat von 12 Monate weiterhin sehr gut gefüllt.

Architekten

Innerhalb eines halben Jahres hat sich der Saldo zwischen Büros mit guter Geschäftslage und Büros mit schlechter Geschäftslage um 10 Punkte auf ca. 50 Punkte verringert. Ebenso zurückgegangen sind das Wachstum der Nachfrage und die Prognosen hinsichtlich der Leistungserbringung. Die Nachfrageentwicklung scheint sich aber nach mehrheitlicher Einschätzung wieder zu stabilisieren: In den kommenden Monaten rechnen die Architekten nicht mit einem Nachfragerückgang, saisonbereinigt hat der Anteil der gut ausgelasteten Büros zugenommen. Der Auftragsbestand umfasst bei den Befragten derzeit 12 Monaten. Daher dürfte sich die leicht gebremste Nachfrage nach Planungsleistungen auch nur minimal auf die Beschäftigungsentwicklung auswirken. Optimistisch stimmt, dass die Zahl der Büros, die die Beschäftigung ausweiten wollen (knapp 20%) grösser ist als jene, die über Personalabbau nachdenken (ungefähr 10%).

Die Architekten berichten von deutlich anziehenden Wohnbausummen sowie von weitgehend gleichbleibenden Bausummen im industriell-gewerblichen und öffentlichen Bau.

Ingenieurbüros

Die aktuelle Geschäftslage wird von den Bauingenieuren unverändert als exzellent eingestuft, so gut wie alle Büros sind zufrieden oder berichten von einer guten Geschäftslage, negative Stimmen kommen fast nicht vor. Für die nächsten sechs Monate rechnet ein kleiner Teil der Ingenieurbüros hingegen mit einer Verschlechterung der Situation und einem Rückgang der Nachfrage. Ca. 86% gehen aber nicht von einer Änderung der Geschäftslage oder Nachfrage aus. Dementsprechend beabsichtigt zwar die Majorität der Büros den Personalbestand in den kommenden Monaten nicht aufzustocken, mehr als 10% wollen dagegen zusätzliches Personal einstellen. Die Reichweite des Auftragsbestands verbleibt bei knapp unter einem Jahr, ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften stellt für 50% der Büros ein Hemmnis in der Leistungserbringung dar. Die Bausummen im Wohnungsbau werden als deutlich zurückgehend eingestuft, der industriell-gewerbliche Bau als stagnierend und der öffentliche Bau als stark zunehmend.

Quelle: Dirk Drechsel, ETH-Konjunkturforschungsstelle (KOF). 

KOF, Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich