19.09.2012 | tec21 | Frank Peter Jäger

Rhetorik statt Powerpoint

Architekten und Ingenieure gewinnen Bauherren weniger durch visuell perfekte Präsentationen und Renderings als durch einen überzeugenden Auftritt und gute Argumente.

«Powerpoint is evil!», brachte es der ame­rikanische Informationswissenschaftler Edward Tufte schon 2004 knapp und direkt auf den Punkt. Powerpoint ist böse – warum das? Die beliebte, aus dem heutigen Business nicht mehr wegzudenkende Präsentationssoftware, so Tuftes These, konterkariert effi­ziente und präzise Kommunikation, anstatt sie zu unterstützen – insbesondere dann, wenn sich der oder die Präsentierende blind auf die Möglichkeiten des Mediums verlässt. Ganz gleich, ob Architekten und Ingenieure mit Powerpoint, PDF-Dokumenten oder anderen Mitteln visualisieren: Bei Projektpräsentation gegenüber Bauherren, Vergabegremien und Bürgerversammlungen geht es im Kern immer um zwei Dinge: Zum einen will man den Zuhörern die eigenen Ideen er­läutern, sie mit guten Argumenten von der eigenen Planung überzeugen und dabei ihre Bedenken zerstreuen. Zum anderen – und das ist oft die einzige Chance, das zuerst genannte Ziel zu erreichen – geht es darum, eine emotionale Brücke zum Gegenüber zu schlagen, Vertrauen und Sympathie zu wecken. Präsentationen und Bauherrengespräche sind der entscheidende Augenblick: Springt hier der Funke über, ist meist die grösste Hürde genommen. Es ist sinnvoll, vor einem solchen Termin die Präsentation vor einem Testpublikum zu halten – sei es auch nur, um zu prüfen, ob die geplanten Ausführungen im gesetzten Zeitrahmen bleiben. Eine Präsentation, die zeitlich aus dem Ruder läuft, strapaziert die Geduld ihrer Gesprächspartner und frisst zu viel von der Zeit auf, die für Rückfragen der Zuhörer und den direkten Dialog bestimmt ist.

Der Redner im Mittepunkt
Ist es dann so weit, sollte nichts die Präsenz des oder der Vortragenden schmälern. Eine gute Präsentation unterstreicht die Ausführungen des Referenten, lenkt aber nicht von ihm ab. Klingt einleuchtend, führt aber ge­radewegs in den Kern des Dilemmas: Denn massvoll eingesetzt, können Bilder durchaus die Wirkung einer Präsentation potenzieren; und die Lernforschung belegt, dass Zuhörer visuell unterlegte Inhalte besser behalten als solche, die rein verbal vermittelt werden. Auf der anderen Seite konkurriert jedes zusätzliche Bild mit der Aufmerksamkeit für den Vortragenden. Im ungünstigen Fall degradiert dieser sich zum blossen Foliendrücker, der halb vom Publikum abgewandt, ganz mit seinen Powerpoint-Charts beschäftigt ist. Fazit: Das Präsentationsmedium soll den Vortrag begleiten, nicht der Vortragende das Medium.
Für das erfolgreiche Präsentieren sind eine ganze Palette weiterer Faktoren von Bedeutung: Haltung und Körpersprache des Vortragenden, seine akustische Verständlichkeit, Tageszeit und Beschaffenheit des Raums – und nicht zuletzt, dass jemand ein Thema strukturiert vermitteln kann.
Zweifellos gibt es Menschen, denen das Reden und Präsentieren besonders leicht fällt, aber mit etwas Übung kann jeder die Wirkung und Überzeugungskraft in Gesprächen und Vorträgen kontinuierlich verbessern. Den Ausgangspunkt bildet stets ein klares Konzept und eine anlassbezogene Vorbereitung: In welcher Runde werde ich präsentieren, was soll thematisch im Mittelpunkt stehen und was ist mein Vortragsziel? Welche Hilfsmittel ergeben hier Sinn? Was wird meinen Gesprächspartner besonders interessieren, und an welchen Punkten muss ich mit Gegenwind rechnen? Wie kann ich den Stoff sinnvoll einteilen, und wie viel Zeit sollte für das Gespräch bleiben?

Den direkten Draht suchen
Fast immer ist das Gespräch von Angesicht zu Angesicht der Königsweg der Kommunikation – weil es unmittelbar mit der Reaktion, den Fragen und Einwänden des Gegenübers konfrontiert und die Möglichkeit gibt, sie direkt aufzugreifen. Je kleiner die Runde, desto offener kann über ungelöste Fragen gesprochen werden. Mit zunehmender Grösse einer Runde machen sich Dauerredner, Rivalitäten und dominante Alphatierchen störend bemerkbar und bremsen den Gesprächsfluss. Je besser man sich als Planer auf die zu erwartende Konstellation vorbereiten hat, des­to sicherer wird man letztlich agieren. Während es in solchen Gesprächen auf Argumente, Fingerspitzengefühl und Zuhörerqualitäten ankommt, ist bei den gestalteten Präsentationsmedien eines Planers – Vorträge, gedruckte Broschüren und die Website – ein klares Konzept gefragt und ein schlüssiges Zusammenspiel der Elemente Layout, Bild, Text und Gliederung.
«Die Bilder sprechen doch für sich selbst» – ist ein von Architekten gerne vorgebrachtes Argument, was dazu führt, dass Projektreferenzen im Web oder der Bürobroschüre zwar mit Kurztexten versehen werden, auf Bildtexte oder Überschriften aber oft ganz verzichtet wird. In Printmedien ist jedoch gerade der Bildtext die wichtigste Textgattung, denn er «erzählt» das Bild.

Lebendigkeit statt Perfektion
Stichwort Bild: Die Art der Aufbereitung noch unrealisierter Bauten ist oft eine ganz entscheidende Stellschraube für ihre erfolgreiche Vermittlung. Während sich viele Architekten und Ingenieure gar nicht sattsehen können an den Visualisierungen ihrer Bauten, vermittelt die kalte Pracht solcher hyperperfekten Renderings dem Laien nicht unbedingt ein lebendiges Bild der Entwurfsidee. Das leistet eine einfache, kolorierte Freihandzeichnung oftmals besser. Fast alle Büropräsentationen werden stark von Projekten dominiert. Jenseits der Mate­rial­fülle versäumen es Planer oft, weitere Auszeichnungen wie die Prozessqualität ihrer Planung herauszustellen. Jede Eigenpräsentation braucht Inhalte, die über das blosse Vorstellen gebauter Werke hinausweisen, und diese lassen sich am besten in guten Texten vermitteln. Die Antwort auf die Frage: «Warum haben wir eine bestimmte Aufgabe so gelöst und nicht anders?» bildet dabei idealerweise den roten Faden.


Weiterbildungsangebote

  • Architekten machen Bücher: 31. Oktober 2012, 13.3017 Uhr; Kosten: Firmenmitglieder SIA 300 Fr./ Mitglieder SIA 400 Fr./ Nichtmitglieder 550 Fr.
  • Architektur beschreiben und präsentieren: Zürich, 1. November 2012, 917 Uhr; Kosten: Firmenmitglieder SIA 600 Fr./ Mitglieder SIA 700 Fr. / Nichtmitglieder 900 Fr.

Referent: Frank Peter Jäger, Dipl.-Ing., Berater und Inhaber des Redaktionsbüros Archikontext
Weitere Infos/Anmeldung: www.sia.ch/form