10.10.2012 | sia online | Claude-Alain Roulet

Neue Vernehmlassung der Norm SIA 180

Eine erste Vernehmlassung der Norm SIA 180 fand im Herbst 2010 statt und löste viele grundsätzliche Kommentare aus, die eine Neubearbeitung des Themas erforderten. Der neue, auf die notwendigen Prinzipien reduzierte Entwurf geht nun nochmals in die Vernehmlassung.

Die Norm SIA 180 Wärmeschutz, Feuchteschutz und Raumklima in Gebäuden (bisher: Wärme- und Feuchteschutz im Hochbau) lässt sich in einer einfachen Anforderung ­zusammenfassen: Jeder bewohnte Raum muss behaglich und gesund sein, und das Gebäude muss so konzipiert sein, dass diese Eigenschaften auf möglichst natürliche Art erreicht werden. Im übrigen Teil der Norm wird diese Anforderung präzisiert, und es werden Möglichkeiten zu deren Überprüfung ­aufgeführt.
2008 erhielt die Kommission SIA 180 den Auftrag, die Norm aus dem Jahr 1999 unter Berücksichtigung der aktuellen Kenntnisse und der europäischen Normen auf den neus­ten Stand zu bringen. Im Herbst 2010 konnte die Kommission den Entwurf zur Vernehmlassung vorlegen. Insgesamt gingen 1047 Kommentare ein, und es zeigte sich, dass der Entwurf in der vorgelegten Form keine Chance zur Genehmigung haben würde. Die Kommission hat den Entwurf deshalb grund­legend neu bearbeitet und legt ihn erneut zur Vernehmlassung vor.

Wichtige Änderungen
Mit dem ersten Entwurf legte die Kommission ein einfaches, gut verständliches Dokument vor, ergänzt um Erklärungen und Vorschläge für konstruktive Massnahmen, mit denen die Anforderungen der Norm erfüllt werden können. Eine Mehrheit der oft gegensätzlichen Kommentare bezog sich auf diese nicht normativen Teile, die eher den Charakter eines Handbuchs hatten. Die Erläuterungen, Ratschläge und Beispiele wurden im neuen ­Entwurf gestrichen.
Entsprechend dem Wunsch der Kommission für Hochbaunormen ist der vorliegende Entwurf eine Sammlung von klaren, unumstösslichen Regeln, welche insbesondere auch die Erledigung eines Streitfalls erleichtern sollen, und unterscheidet sich nun deutlich von einem Handbuch.
Im Folgenden sind die wichtigsten Unterschiede zum Entwurf der ersten Vernehmlassung aufgeführt:

  • Änderung des Titels entsprechend dem Inhalt, der sich nicht auf Wärme- und Feuchteschutz beschränkt, sondern – mindestens teilweise – auch das Innenraumklima behandelt.
  • Unter dem Geltungsbereich (und nicht mehr in einem Anhang) wird aufgeführt, welche Verhaltensweise der Planer von den Benutzern und Eigentümern erwarten kann. Ein aussergewöhnliches Verhalten kann damit nicht einem Planungsfehler angelastet werden.
  • Überarbeitung der Terminologie, indem die Begriffe und Definitionen aus dem Merkblatt SIA 2025 Begriffe in Bauphysik, Energie- und Gebäudetechnik (2012) übernommen wurden, das nach der ersten Vernehmlassung erschienen ist.
  • Zur thermischen Behaglichkeit wird keine Wahlmöglichkeit unter drei Behaglichkeits­kategorien mehr gegeben. Es wird nur die Kategorie II gemäss EN 7730 und EN 15251 beibehalten.
  • Der Unterschied zwischen den Behaglichkeitsanforderungen an Räume mit natürli­chem oder geregeltem Klima hat zahlreiche Kommentare ausgelöst, was gezeigt hat, dass diese Begriffe nicht richtig verstanden wurden. Im neuen Entwurf wird dieser Unterschied klarer erläutert.
  • Es werden Empfehlungen für die Einflussmöglichkeiten der Benutzer ausgesprochen. Sie sind aber nicht als Anforderung formuliert, da sie in gewissen Fällen technisch schwierig umsetzbar sein können.
  • Massnahmen gegen Verschmutzungsquellen (Radon aus dem Untergrund, Benzol aus der Garage, Verbrennungsgase usw.) sind in allgemeiner Art formuliert, ohne jedoch genaue Massnahmen vorzuschlagen.
  • In einer Tabelle sind Massnahmen und Kontrollen zur Sicherstellung einer luftdichten Gebäudehülle aufgeführt, welche im Rahmen der Grundleistungen zu erbringen oder besonders zu vereinbaren sind.
  • Ein neuer Anhang legt die Randbedingungen für Simulationsrechnungen zu verschiedenen Fragestellungen fest.

 


Einladung zur Vernehmlassung der Norm SIA 180

Der Entwurf zur Norm SIA 180 «Wärmeschutz, Feuchteschutz und Raumklima in Gebäuden» sowie das offizielle Formular für Stellungnahmen können von der Website heruntergeladen werden unter: www.sia.ch/vernehmlassungen.
Stellungnahmen sind auf dem Word-Formular, nach den Ziffern der Norm geordnet, bis zum 14. Dezember 2012 einzureichen an: roland.aeberli(at)sia.ch
Stellungnahmen in anderer Form (Briefe, PDF etc.) können nicht berücksichtigt werden.