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News



18.12.2009

2. Delegiertenversammlung 2009


An ihrer zweiten Delegiertenversammlung wählten die Delegierten Adrian Altenburger zum neuen Präsidenten der Zentralkommission für Normen- und Ordnungen (ZNO) und damit auch in die Direktion des SIA. Daniel Kündig wurde für eine weitere Amtsperiode von zwei Jahren als Präsident des SIA bestätigt.

Bei der letzten Delegiertenversammlung in Fribourg im Jahre 1996 sei der SIA fast auseinandergebrochen, erinnerte SIA-Präsident Daniel Kündig die Anwesenden anlässlich der Eröffnung der zweiten Delegiertenversammlung am 28. November. Angeheizt durch die Freigabe des Leistungsmodells 95 sowie die Diskussion und Urabstimmung um die Änderung des Artikels 6 der Statuten habe sich damals nicht nur ein tiefer Graben zwischen der Romandie und der Deutschschweiz abgezeichnet, sondern auch zwischen den Architekten und den Ingenieuren. Viele Mitglieder hätten sich in dieser Zeit vom SIA nicht mehr vertreten gefühlt, und die Architekten hätten sogar ausdrückliche Abspaltungsabsichten gehegt. Glücklicherweise sei heute wieder ein Zusammengehörigkeitsgefühl spürbar. Dies sei wesentlich und müsse gepflegt werden, so Kündig. Denn nur so habe der SIA die Kraft, sich den Herausforderungen der Gegenwart zu stellen.

Tücken der AGB

39 von insgesamt 70 Delegierten waren zusammen mit Vertretern aus dem Generalsekretariat und der Direktion des SIA anwesend. Sie erlebten ein lebendiges und sehr interessantes Referat Hubert Stöcklis, Professor an der Universität Fribourg und dortiger Direktor des Instituts für Schweizerisches und Internationales Baurecht. Stöckli referierte über die Tücken und Fragwürdigkeiten von Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), wie sie beispielsweise aus Krankenversicherungen, Leasing-, Kreditkarten-, Mobiltelefonieverträgen und vielen anderen Massengeschäften wohlbekannt sind. In den meisten Fällen würden Kunden ? er selbst mit eingeschlossen ? die AGB kaum zur Kenntnis nehmen und daher auch nicht die darin enthaltenen Vereinbarungen, begann Stöckli. Tatsache sei aber, dass aufgrund der Verhandlungsmacht der Anbieter die AGB fast nie verhandelbar seien. Dies stehe im Widerspruch zur Vertragsfreiheit, wie sie in Schweiz gilt, zumal es häufig keine Ausweichmöglichkeiten gebe, führte Stöckli aus. Auf eingängige und eindrückliche Weise verdeutlichte er die Nachteile, die auch Architekten oder Ingenieuren aufgrund gewisser Formulierungen in den AGB ihrer Berufshaftpflichtversicherung entstehen können. Gemäss diesen versichert eine solche zwar die Haftpflicht von Arbeitnehmern und übrigen Hilfspersonen eines Architektur- oder Ingenieurbüros, nicht aber den Regress und die Ausgleichsansprüche Dritter für Leistungen, die sie den Geschädigten ausgerichtet haben. Kommt zum Beispiel aufgrund des Fehlers eines Bauleiters ein Bauarbeiter zu schaden, so ist dessen Personenschaden durch die Haftpflichtversicherung gedeckt. Fordert nun aber die Unfallversicherung ihren Regressanspruch beim Bauleiter ein - was zwar nicht häufig der Fall ist, aber durchaus im Bereich des Möglichen liegt -, kann das den Bauleiter rasch ruinieren. Es stelle sich die Frage, ob das Büro, bei dem der Bauleiter angestellt ist, seiner Pflichten aus dem Arbeitsvertrag nachkommt, wenn es dem Bauleiter einen solch unzureichenden Versicherungsschutz beschafft. Darüber habe er ernsthalfte Zweifel, so Stöckli, weshalb er denn auch für eine stärkere rechtliche Kontrolle und Regelung von AGB einstehe. Eigentlich habe er auch erwartet, dass sich der SIA in den Vernehmlassungen zu den Revisionen der Bundesgesetze über den Versicherungsvertrag (VVG) und den unlauteren Wettbewerb (UWG) zu Wort melden würde. Durch das ihm zustehende Verbandsbeschwerderecht wäre der SIA befugt dazu, und zur Wahrung der Interessen seiner Mitglieder hätte der SIA seiner Meinung nach auch triftige Gründe dafür gehabt.

Budget und Normungspolitik

Im Anschluss an den Vortrag von Hubert Stöckli verabschiedeten die Delegierten das Budget für das Jahr 2010 mit einem Gewinn von rund 37'000 Franken. Darin enthaltene, gegenüber dem Vorjahr aufgrund erweiterter Aufgabenbereiche um rund 12 Prozent angestiegene Personalkosten werden durch höhere Erträge im Normenverkauf aufgefangen. Letztere sind auf die Veröffentlichung der neuen Tragwerkserhaltungsnormen zurückzuführen. Die Rückstellungen bleiben unverändert, und mit den damit verbleibenden 4.9 Millionen Franken verfügt der Verein nach wie vor über solide Reserven für die Zukunft. Die Mitgliederbeiträge aller Mitgliederkategorien bleiben sich gleich. Ausserdem stimmten die Delegierten der unveränderten Weiterführung der Normungspolitik des SIA zu, wie sie seit 2007 gilt und auf der Webseite des SIA nachzulesen ist. Damit verabschiedeten die Delegierten, auf Vorschlag der Zentralkommission für Normen und Ordnungen (ZNO) und der Direktion die grundsätzlichen Leitplanken für das Normenschaffen des SIA bis Ende 2012.

Wahlen

Einstimmig und mit Applaus wählten die Delegierten Adrian Altenburger zum neuen Präsidenten der ZNO und damit auch als neues Mitglied in die Direktion des SIA. Der 46-jährige, international erfahrene HLK-Ingenieur ist Mitglied der Geschäftsleitung, Partner und Verwaltungsrat der Amstein+Walthert AG in Zürich. Ausserdem ist er Mitglied der American Society of Heating Refrigerating and Air-Conditioning Engineers (ASHRAE) und auch des Schweizerischen Verbandes der Wärme- und Klimaingenieure (SWKI), dem er von 2007 bis 2009 als Präsident vorstand. Mit Adrian Altenburger soll das Thema Energie wieder auf starke und kompetente Weise in der Direktion verankert werden. Altenburger tritt die Nachfolge von Peter Rapp an, der an der Delegiertenversammlung aus der Direk­tion zurückgetreten ist und mit grossem Dank verabschiedet wurde. Mit Applaus bestätigten die Delegierten auch einstimmig Daniel Kündig, seit acht Jahren Präsident des SIA, für eine weitere Amtszeit. Für die kommenden zwei Jahre sei es sein Ziel, das Thema Baukultur und insbesondere den dahinterstehenden Beitrag der SIA-Fachleute vermehrt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, sich weiterhin für eine ganzheitliche Ausbildung von Architekten und Ingenieuren einzusetzen und nicht zuletzt den SIA sowie seine Mitglieder bei Fragestellungen betreffend Lebensraumgestaltung zu unumgänglichen Partnern für die Politiker zu machen. Ebenfalls als Direktionsmitglieder bestätigt wurden Andreas Bernasconi, Markus Bühler, Andrea Deplazes, Pius Flury, Valerio Olgiati, Nathalie Rossetti, Rolf Schlaginhaufen und Pierre Henri Schmutz. In die SIA Standeskommission wählten die Delegierten erneut Jean Claude Badoux als Präsidenten sowie als Mitglieder Arthur Brüniger, Nicolas Kosticzs, Otto Künzle und Thomas Malanowski. Als neue Ersatzmitglieder wurden Bénedicte Montant und Bruno Huber gewählt. Die übrigen Ersatzmitglieder, Martial Chabloz, Robert Guery, Erich Müller und Jean-Pierre Stefani, wurden für eine weitere Amtsperiode bestätigt. Zur Wiederwahl in die Rechnungsprüfungskommission des SIA stellten sich Silvia Schoch, René Stadler und Pierreluigi Telleschi. Sie alle wurden von den Delegierten erneut gewählt, zusammen mit Christoph Erdin, der die Nachfolge der zurückgetretenen Wiebke Rösler antritt.

Thomas Müller, Leiter PR/Kommunikation SIA