verein    aktuell    praxis  d | f   download   forum   links   kontakt  |  suchen    
home  

News



27.11.2009

2. Präsidentenkonferenz 2009


Die Bolognareform zeigt Defizite, Kos­tenargumente gelten mehr als Baukultur, und die Bewirtschaftung und der Ausbau der nationalen Infrastruktur werden aufgeschoben. Was diesen unerfreulichen Entwicklungen entgegenzustellen ist, war Gegenstand der zweiten Präsidentenkonferenz dieses Jahres.

Die neue Bolognareform sei in erster Linie aus kurz greifenden, finanzpolitischen Überlegungen heraus forciert worden, sagte SIA-Präsident Daniel Kündig an der zweiten Präsidentenkonferenz dieses Jahres, die am 23. und 24. Oktober in Zürich stattfand. Das Ergebnis der Reform sei in der Schweiz nun leider mehr als ernüchternd und gehe - zumindest was die Planungsbranche betrifft - an den Bedürfnissen der Praxis vorbei. Architektur- und auch Ingenieurbüros monieren, dass ein Bachelor-Abschluss, wie von den Politikern beabsichtigt, nicht ausreicht, um einen ernstzunehmenden beruflichen Beitrag leisten zu können. Derselben Ansicht sind auch die universitären Hochschulen und die Fachhochschulen. Weiterhin und noch pointierter gelte es deshalb auf die gegenwärtigen Schwachstellen aufmerksam zu machen, fordert Kündig, um die Zielsetzungen der Politik wieder den Bedürfnisse der Praxis anzugleichen.

Fokus Bildung

Anlässlich seiner ersten Delegiertenversammlung veröffentlichte der SIA im April sein Papier "Bildung für eine nachhaltige Gestaltung des Lebensraums", das fünf Forderungen zur Bildung in Architektur und Inge­nieurwissenschaften enthält. Gemäss Claudia Schwalfenberg, Geschäftsführerin der Berufsgruppen Architektur und Ingenieurbau sowie Betreuerin der Bildungskommission des SIA, wurde das Bildungspapier positiv aufgenommen und vor allem in Architekturkreisen intensiv besprochen. Doch auch ganz allgemein habe die Diskussion um das duale Bildungssystem im letzen Jahr auch in der Öffentlichkeit erneut Auftrieb erhalten, was zu begrüssen sei (siehe auch TEC21 40/2009). Neben diversen kleineren Projekten und Massnahmen müsse der SIA weiterhin bestrebt sein, das Baukulturbewusstsein in der Bevölkerung zu fördern und das Inter­esse für Bau, Technik, Industrie und Umwelt schon in der Grundschule zu wecken. Der neue Berufsmessestand des SIA (siehe TEC21 41/2009) und Informationsbroschüren zu SIA-Berufsfeldern wie die Publikation Dahinter steht ein Bauingenieur (2009) stellen erste Schritte in diese Richtung dar. Daneben sind aber auch und vor allem der Austausch mit den Schulen und Hochschulen zu intensivieren und die Forderungen und Bedürfnisse der Planungs- und Baubranche in die Ausbildungslandschaft einzubringen.

Hochschulreife unter der Lupe

Die Qualitätssicherung der Ausbildung sei von der Hoch- auf die Mittelschulstufe auszuweiten, so Daniel Kündig. Zum Teil vorgeschlagene Verkürzungen der Kantonsschulzeit könnten fatale Folgen für die Hochschulreife haben, die schon jetzt zu wünschen übrig lässt. Zu diesem Schluss kam auch Professor Lorenz Hurni, Leiter des Institutes für Kartographie an der ETH-Zürich und Vorsteher des dortigen Departements für Bau, Umwelt und Geomatik. Neben der Qualitätssicherung der eigenen Ausbildung beschäftigt sich die ETH seit geraumer Zeit mit der Hochschulreife von Maturanden. So wurde während der vergangenen Jahre in vier unterschiedlichen Studien die Schnittstelle Mittelschulen/Hochschulen analysiert. Die zweite Evaluation der Maturitätsreform (EVAMAR II), die Studie der Fachgruppe Plattform Gymnasium (PGYM) der Eidge­nössischen Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) und die Publikation "Hochschulreife und Studierfähigkeit" sind das Ergebnis eines intensiven Dialoges zwischen Zürcher Gymnasiallehrpersonen und Dozierenden der Universität Zürich, der ETH Zürich und von zwei Fachhochschulen. Aus diesen drei Studien sowie der ETH-Studie Maturanoten und Studienerfolg lasse sich laut Hurni durchwegs ein fortschreitendes Auseinanderdriften der Mittel- und Hochschulen feststellen, sei es durch Reformschübe oder durch abnehmende personelle Durchdringung der beiden Institutionen. Weiter stelle die ETH mangelhaftes Wissen der Studienanfänger über Inhalte und Anforderungen des gewählten Studiums fest. Die Kompetenzen der Maturanden in Mathematik und Erstsprache seien generell unbefriedigend. Schliesslich sei nachweisbar, dass die Leistungen und damit auch Erfolgschancen an der ETH von länger ausgebildeten Maturanden in der Regel besser seien. Auch die ETH spricht sich deshalb klar gegen eine Verkürzung der Gymnasialzeit aus. Hingegen gelte es vordringlich die Qualität der gymnasialen Ausbildung hochzuhalten.

Zwei Resolutionen

Am zweiten Tag der Präsidentenkonferenz, stellte Daniel Kündig zwei Resolutionen vor, in welchen der SIA einerseits gegen den unbedachten Ersatzneubau der Schrähbachbrücke von Robert Maillart vorgeht (siehe TEC21 47/2009) und andererseits gegen die weiteren Sparabsichten des Bundesrates im Infrastrukturbereich (vgl. S.28). Beide Resolutionen wurden von den anwesenden Prä­sidenten als wichtige Zeichen des SIA begrüsst, verabschiedet und an die entsprechenden Amtsstellen weitergeleitet.

Projekte und Wahlen

Aus der siebten Direktionssitzung dieses Jahres, die ebenfalls am 23. Oktober stattfand, berichtete Hans-Georg Bächtold, Generalsekretär des SIA, zum Stand der Vorbereitung der World Engineers' Convention 2011 (WEC 2011). Am 16. Oktober 2009 erfolgte in Bern die Gründung eines Trägervereins, der die Förderung, Vorbereitung, Organisation, Durchführung und Kommunikation der Ergebnisse des WEC 2011 betreuen wird. Zum Präsident des Vereins wurde Nationalrat Ruedi Noser gewählt, zum Leiter des Programmkomitees Daniel Favrat (Professor EPFL) und zum Geschäftsführer Hans-Georg Bächtold. Die Geschäftsstelle des Vereins wird neu beim SIA in Zürich angesiedelt. Zur Präsentation der Programmschwerpunkte und um möglichst frühzeitig viele Delegationen auf die Konferenz in Genf aufmerksam zu machen, ist eine Delegation Anfangs November 2009 nach Kuwait gereist.

2010 unterstützt die Direktion die 15n de l'architecture contemporaine / 15n Woche der zeitgenössischen Architektur mit 40000 Franken und honoriert damit die Qualität und die nationale Ausstrahlung des Anlasses. Nachdem im letzten Jahr mit der Sektion Bern die erste Deutschweizer Sektion dazugestossen ist, werden 2010 mit den Sektionen Aargau und Solothurn weitere Deutschweizer Landesteile und mit der Sektion Tessin die italienische Schweiz dazukommen. Die nächste "15n" findet von Ende April bis Anfang Mai 2010 statt.

Als neuen Präsidenten der zentralen Normen- und Ordnungskommission (ZNO) und damit auch neues Direktionsmitglied schlägt die Direktion Adrian Altenburger vor. Der 46-jährige HLK-Ingenieur mit ausgewiesener internationaler Erfahrung ist Geschäftsleitungsmitglied sowie Partner und Verwaltungsrat von Amstein & Walthert in Zürich. Er tritt die Nachfolge von Peter Rapp an, der per Delegiertenversammlung von Ende November zurücktreten wird. Weiter stimmt die Direktion der Wahl folgender neuer Kommissionsmitglieder zu: SIA 121 Verrechnung der Teuerung mit dem Objekt-Index-Verfahren (OIV): Michael Jutzi, Frederic Gelloz, Axel Paulus SIA 262 Betonbau: Ernst Honegger SIA 118 Allgemeine Bedingungen für Bauarbeiten: Martin Keller Leitkommission Tunnel: Thomas Murer

Thomas Müller, Leiter PR/Kommunikation SIA