Die neue Lohnerhebung des SIA bestätigt die Vermutungen: Während die Löhne der Bauingenieure seit 2006 markant gestiegen sind, schrumpften diejenigen der Architekten in einigen Funktionsstufen um bis zu 10%.
Die Lohnerhebung, die der SIA rund alle zwei Jahre gemeinsam mit weiteren Planerverbänden erstellt, basiert auf einer Erhebung der Löhne von rund 8800 Angestellten aus insgesamt 600 Büros. Die Auswertung der Daten erlaubt eine differenzierte Betrachtung der Lohnstruktur in Schweizer Planungsbüros. Bei der neuen Lohnerhebung wurde erstmals eine Unterteilung in Basislohn, Gehaltsnebenleistungen und variable Leistungen vorgenommen. Unter dem Strich zeigt die Auswertung der Daten, dass der durchschnittliche Gesamtlohn aller Fachrichtungen von 2006 bis 2009 um 5.2% gestiegen ist und nun 96640 Fr. beträgt. Unter Berücksichtigung einer Teuerung von 2.7% entspricht dies einer Reallohnerhöhung von 2.5%. Die Lohnentwicklungen unterscheiden sich jedoch je nach Berufsgruppe, Funktionsstufe und Alter sehr stark. Zudem wurde die Lohnerhebung neuerdings um eine Auswertung nach Grossregionen erweitert. Auch hier zeigen sich beträchtliche Unterschiede.
Lohneinbussen bei den Architekten
Der durchschnittliche Gesamtlohn bei den Architekten hat sich zwar von 2006 bis 2009 nominal um 2.4% erhöht und beträgt nun 91253 Fr., nach Abzug der Teuerung resultiert daraus jedoch eine Reallohneinbusse von 0.3?%. Fast alle Personalkategorien in Architekturbüros haben nicht nur real - also unter Berücksichtigung der Teuerung -, sondern zum Teil sogar nominal deutliche Lohneinbussen zu verzeichnen, bei den leitenden Architekten sind diese mit 9.5% am grössten. Bautechniker konnten mit 3.5% zwar leichte Zuwächse verzeichnen, die nach Abzug der Teuerung aber auf 0.8% in drei Jahren zusammenschrumpfen. Auch Bauleiter haben nominal immerhin um 3.1% auf 95780 Franken zugelegt. Über alle Kategorien gesehen kann bei den Architekturbüros unter Berücksichtigung der Teuerung von durchschnittlich leicht sinkenden bis stagnierenden Löhnen gesprochen werden. Die höchsten durchschnittlichen Gesamtlöhne in Architekturbüros werden mit 96627 Fr. in der Genferseeregion gezahlt, gefolgt von der Zentralschweiz und Zürich mit 93485 Fr. beziehungsweise 91311 Fr. Das Schlusslicht bildet mit 88712 Fr. die Region Espace Mittelland. Die sich seit Mitte 2008 verschlechternden Geschäftsaussichten erklären die stagnierenden bis schrumpfenden Architektenlöhne nur zum Teil. Von 2006 bis Mitte 2008 wurde die Geschäftslage von einem grossen Teil der Architekten als gut bezeichnet. Die Gewinne aus diesen guten Konjunkturphasen widerspiegeln sich aber gemäss vorliegender Lohnerhebung nicht in der Lohnentwicklung der meisten Mitarbeitenden in den Architekturbüros, die aktuell eingetrübte Stimmung dafür aber umso mehr.
Zunahme bei den Bauingenieuren
Der durchschnittliche Gesamtlohn bei den Bauingenieuren hat sich von 2006 bis 2009 nominal um 8.2% erhöht und beträgt nun über alle Funktionsstufen betrachtet 102478 Fr. im Vergleich zu 94732 Fr. im Jahr 2006. Bei einer Teuerung von 2.7% resultiert daraus ein deutlicher Reallohnzuwachs von 5.5%. Die Erhöhung ist auf das geringe Angebot an qualifizierten Ingenieuren zurückzuführen. Der Markt für Fachkräfte scheint hier zwar tendenziell zu funktionieren, dennoch vermögen die deutlichen Lohnsteigerungen bei den Ingenieuren den Ingenieurmangel natürlich kurzfristig nicht zu beheben. Ein positives Zeichen setzen aber die seit Herbst 2008 mit rund 20% mehr Neueintritten deutlich zunehmenden Studierendenzahlen der Bauingenieurwissenschaften an der ETH Zürich. Anders als bei den Architekten, die durchschnittlich in den mittelgrossen Büros (10 bis 39 Angestellte) am besten verdienen, sind bei den Bauingenieuren die Löhne in den grösseren Büros (über 39 Angestellte) mit im Durchschnitt 105861 Fr. am höchsten und mit 99540 Fr. in den mittelgrossen am tiefsten. Die regional höchsten Löhne in Bauingenieurbüros werden in Zürich (durchschnittlich 106335 Fr.) gezahlt, gefolgt von der Genferseeregion (105220 Fr.). Schlusslicht bildet hier die Region Tessin mit 92954 Fr. Wie die markanten Lohnsteigerungen sich auf die Gewinnsituation der Bauingenieurbüros insgesamt ausgewirkt haben, lässt sich auf Grund der vorliegenden Daten nicht bestimmen. Klar ist aber, dass der Ingenieurmangel die Löhne vermutlich weiter in die Höhe treiben wird und die Büros zukünftig noch mehr darauf angewiesen sein werden, ihre Honorarforderungen energisch durchzusetzen, um die steigenden Personalkosten decken zu können.
Kultur- und Vermessungs-Ingenieure wenig Zuswachs
Die Kultur- und Vermessungsingenieure konnten nominal einen Lohnzuwachs von 4.8% verbuchen und sind mit einem durchschnittlichen Gesamtlohn von 92494 Fr. auf Augenhöhe mit den Architekten (91253 Fr.). Markante Erhöhungen konnten aber lediglich die Unternehmensleiter (+ 9.8%) und leitenden Ingenieure (+ 9.9%) verzeichnen. In den niedrigeren Honorarkategorien konnten - mit Ausnahme derjenigen der Messassistenten (+ 6.6%) - keine höheren Zuwächse verzeichnet werden.
Deutliches Plus für Gebäudetechniker und Raumplaner
Die Gebäudetechnikingenieure können mit 7.9% einen deutlichen Nominallohnzuwachs für sich verbuchen und sind mit einem durchschnittlichen Gesamtlohn von 98958 Fr. damit fast auf Augenhöhe mit den Bauingenieuren, die noch rund 3500 Fr. pro Jahr mehr verdienen. Augenfällig ist aber, dass die Erhöhungen bei den Gebäudetechnikingenieuren hauptsächlich den Chefingenieuren (+ 6.0%) und leitenden Ingenieuren (+ 4.2%) zugute gekommen sind, während die Ingenieure sogar eine Lohneinbusse von 5.5% zu verzeichnen haben. In Hinblick auf die erstrebenswerte Attraktivitätssteigerung des Berufs Gebäudetechnikingenieur für den Nachwuchs ist diese negative Lohnentwicklung sicherlich kontraproduktiv. Um den Beruf für die Jungen attraktiv zu erhalten, erscheint eine Lohnerhöhung auch auf den Eintrittsstufen notwendig. Bauleiter (+ 5.9%) und das Administrativpersonal (+ 8.2%) in Gebäudetechnikbüros können, im Gegensatz zu den Ingenieuren ohne Leitungsfunktionen, deutliche Zuwächse verzeichnen. Auch die Raumplaner weisen mit + 8.1% ein ähnlich gutes Wachstum wie die Gebäudetechnikingenieure und Bauingenieure auf. Mit 106808 Fr. verzeichnen sie absolut betrachtet den höchsten durchschnittlichen Gesamtlohn aller Planer.
Umweltfachleute im Plus, Landschaftsarchitekten im Minus
Die Umweltfachleute können ein Plus von 11.6% verzeichnen und legen damit von allen Fachrichtungen am meisten zu. Mit durchschnittlich 103064 Fr. sind sie nach den Raumplanern die Nummer zwei in der Lohnrangliste und überflügeln damit erstmals sogar die Bauingenieure. Die Lohnerhöhungen der Umweltfachleute widerspiegeln sicherlich den markanten Bedeutungszuwachs dieser Berufsbilder für die Wirtschaft während der letzten Jahre. Bei den Landschaftsarchitekten musste eine nominale Lohneinbusse von 1.6% hingenommen werden, was eine Reallohnreduktion von 4.3% bedeutet. Die Landschaftsarchitekten haben auch absolut gesehen mit 82540 Fr. den mit Abstand geringsten durchschnittlichen Gesamtlohn aller Planer.
Alter bestimmt den Lohn massgeblich
Neben der Funktionsstufe ist das Alter der Beschäftigten der Hauptfaktor für die Bestimmung des effektiven Gesamtlohns. Der Durchschnittslohn eines Bis-25-Jährigen in einem Architekturbüro liegt bei rund 56000 Fr., derjenige eines Über-50-Jährigen bei 118000 Fr. Erfahrung und wachsende Kompetenz zahlt sich in Planungsbüros deutlich aus. Dies zeigt auch, dass lebenslanges Lernen on-the-job und off-the-job für den Erhalt und den Ausbau von Fach- und Führungskompetenzen unabdingbar und für den Aufstieg in höhere Funktions- und Lohnstufen Voraussetzung ist.
Mike Siering, dipl. Ing. Arch. RWTH, Leiter des Ressorts Dienstleistungen und Weiterbildung und Mitglied der Geschäftsleitung des SIA
Kommentar zur Lohnerhebung
Im Oktober 2008 zeigte eine Umfrage des SIA deutlich, dass in der Schweiz nicht nur Ingenieure an allen Ecken und Enden fehlen, sondern auch qualifizierte Architekten. Jede zweite Architekten- oder Ingenieurstelle konnte damals nicht besetzt werden. Die Situation hat sich aufgrund der gegenwärtigen Wirtschaftslage und dem abnehmenden Auftragsvolumen zwar leicht entschärft, ist aber nach wie vor akut. Schon damals nannten sowohl die Ingenieure wie auch die Architekten das vergleichsweise tiefe Lohnniveau als einen der Hauptgründe für die rückläufige Zahl von Fachkräften in ihrer Branche.
Umso mehr erstaunt nun der Blick auf das Ergebnis der Lohnerhebung des SIA für die Jahre 2006 bis 2009 und insbesondere auf die Situation bei den Architekten. Während bei den Bauingenieuren eine Lohnerhöhung um real 5.5%, bei den Gebäudetechnikingenieuren um 5.2% und bei den Kultur- und Vermessungsingenieuren um 2.1? verzeichnet wird, melden die Architekten eine Reallohneinbusse von 0.3%. Am grössten sind die realen Einbussen mit sage und schreibe 12.2% bei den leitenden Architekten. Mit einer Einbusse von durchschnittlich 4.3% kommen die Landschaftsarchitekten noch schlechter weg als die Architekten. Das erstaunt und ist nicht ganz verständlich. Denn von 2006 bis Mitte 2008 meldete die Planungsbranche bei den Umfragen des SIA und der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) eine überaus gute Geschäftslage. Zwar wurden die Planungsbüros danach mit der Einschätzung der Zukunft etwas vorsichtiger, beurteilten ihre Lage aber selbst im letzten Quartal 2008 noch als gut. Eigentlich hätte damit doch auch bei den Architekturbüros die Voraussetzung gegeben sein sollen, um die Löhne ihrer Angestellten in den vergangenen Jahren etwas anzuheben. Geschehen ist dies leider nicht, und die gegenwärtige Wirtschaftslage macht es schwierig dies nun noch nachzuholen. Wichtig wäre es gewesen und das Versäumnis wird die Branche erneut einige qualifizierte Fachkräfte kosten.
Sicherlich, der Druck auf die Honorare ist hoch und wird es auch bei einer neuerlichen Verbesserung der Wirtschaftslage bleiben. Um aber nicht noch lange zusehen zu müssen, wie immer mehr, vor allem qualifizierte Leute, aus den Architekturberufen abwandern, kommen wir nicht umhin, die Löhne der angestellten Architekten und Architektinnen nach besten Möglichkeiten und möglichst rasch zu verbessern. Dies umso mehr, nachdem der SIA, der BSA, der fsai und die usic Ende 2008 eine markante Erhöhung der Stundenansätze 2009 für die Honorierung nach Zeitaufwand durch die Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren (KBOB) erreicht haben. Mit der Erhöhung der Ansätze um durchschnittlich 6%, bekundete selbst die KBOB den Willen, gute Planerleistungen angemessener und besser zu honorieren, und setzte ein Zeichen zur Sicherung der Planungs- und Ausführungsqualität, zur Steigerung der Attraktivität der Planerberufe und damit auch zur dringend erforderlichen Fachkräftesicherung und Nachwuchsförderung in unseren Berufen. Der dringende Handlungsbedarf wurde hier erkannt, und die Ingenieure haben gehandelt. Die Architekten sollten dies nun auch tun.
Daniel Kündig, Architekt und Präsident des SIA
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Dokumentation D 0233
Lohnerhebung 2009
164 Seiten, Format A4, broschiert
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