19.06.2009
Erste Delegiertenversammlung 2009
Mario Botta, Alfred Hagmann, Peter Matt und Peter Gauch sind neue Ehrenmitglieder des SIA. Laurent Vulliet und Daniel Meyer verstärken neu die Direktion. Die Revision der SIA 142 und die neu erarbeitete SIA 143 sind genehmigt und die Jahresrechnung sowie der Geschäftsbericht verabschiedet.
Der SIA hat wieder an Profil gewonnen, eröffnete Präsident Daniel Kündig die gut besetzte Delegiertenversammlung des SIA am 15. Mai 2009 im Zürcher Jazzclub "Moods". Dies habe sich nicht nur in der deutlichen Ablehnung des Revisionsentwurfs des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen gezeigt. Auch mit diversen weiteren Projekten und Engagements wie der Veranstaltungsreihe Baukunst im Dialog habe der SIA im vergangenen Jahr auf den unentbehrlichen Beitrag der SIA-Fachleute zum Kulturraum Schweiz aufmerksam gemacht. Mit Blick in die Zukunft gelte es weiterhin die Gesellschaft, Politiker und Behörden zu motivieren, Fachleute und somit nicht zuletzt den SIA und seine Mitglieder bei Planungen und Entscheidungsfindungsprozessen mit Auswirkungen auf das Bauwerk Schweiz verstärkt mit einzubeziehen.
Neue Ehrenmitglieder
Mit der Ernennung der Ehrenmitglieder Mario Botta, Architekt, Peter Matt und Alfred Hagmann, beide Bauingenieure, sowie Peter Gauch, Rechtsprofessor, bedankten sich die Delegierten und die Direktion des SIA für deren aussergewöhnliche Verdienste: Mario Bottas hartnäckigem und stetem Engagement sei es zu verdanken, dass mit der Accademia di Architettura auch in der italienischsprachigen Schweiz eine Architekturschule von höchster Qualität und internationalem Renommée entstehen konnte. Peter Matt komme als langjährigem Leiter der Kommission für Tragwerksnormen ein entscheidender Anteil an der Entwicklung vieler zukunftsweisender Normenprojekte zu, so sei er als einer der Väter der Swisscodes zu bezeichnen. Alfred Hagmann habe neben seinem langjährigen Engagement in der Direktion des SIA insbesondere auch die strategische und die vereinspolitische Neuausrichtung des SIA von 1999 entscheidend mitgeprägt. Peter Gauch schliesslich habe es als hochkarätiger Baurechtsspezialist verstanden, den Publikationen des SIA eine juristisch-wissenschaftliche Verankerung zu verleihen. Als seine wichtigsten Beiträge seien derjenige zur Norm SIA 118 und die dazugehörenden Kommentare zum Architektenrecht und zum Werkvertrag zu nennen.
Direktionswahlen und ZNO
Mit Laurent Vulliet und Daniel Meyer wählten die Delegierten zwei hochkarätige Bauingenieure in die Direktion des SIA. Sie treten die Nachfolge des zurückgetretenen Alfred Hagmann sowie von Peter Marti an, der die Direktion bereits Ende des vergangenen Jahres verlassen hat. Laurent Vulliet, Jahrgang 1958, ist diplomierter Bauingenieur ETH sowie Doktor der technischen Wissenschaften der ETH Zürich. Seit 1996 ist er Professor und Direktor des Soil Mechanics Laboratory (LMS) an der Ecole Polytechnique Féderale in Lausanne (EPFL). Von 1999 bis 2001 leitete er das Departement für Bauingenieurwesen an der EPFL und von 2001 bis 2008 war er Dekan der Fakultät Environnement, Naturel, Architectural et Construit (ENAC) der EPFL. Seit Juli 2008 ist er CEO der Bonnard & Gardel Consulting Engineers in Lausanne.
Daniel Meyer, Jahrgang 1962, ist diplomierter Bauingenieur ETH. Seit 1995 ist er Mitinhaber des Büros Dr. Lüchinger und Meyer Bauingenieure in Zürich. Daneben unterrichtete er zwischen 1995 und 2003 Baustatik und Tragwerksverhalten an der Bauingenieurabteilung der Fachhochschule Zürich und ist seit 2003 Dozent für konstruktiven Glasbau an der Hochschule Luzern. Von 2004 bis zur Wahl in die Direktion war er im Vorstand der SIA-Sektion Zürich.
Als Nachfolger von Markus Schaefle wählten die Delegierten Christian Gautschi in die Zentralkommission für Normen und Ordnungen (ZNO). Der 1957 geborene Gautschi ist Architekt in Zürich und wird als mehrjähriges Mitglied der Kommission SIA 102 diese neu in der ZNO vertreten.
Jahresrechnung
Das Rechnungsjahr 2008 schliesst der SIA mit einem Verlust von rund 46 000 Franken ab. Damit sei das Ergebnis zwar negativ, trotzdem aber erheblich besser als im Vorjahr und auch als ursprünglich budgetiert, erklärte Markus Bühler, Direktionsmitglied und Quästor des SIA. Zurückzuführen sei diese Entwicklung insbesondere auf eine Zunahme der Mitglieder und auf den unerwartet grossen Anklang des webbasierten Normen-Abonnements i-Norm. Ferner hätten auch der sich erfreulich entwickelnde SIA-Service und der kleiner gewordene Personalaufwand zum guten Ergebnis beigetragen.
SIA 142/143
Bis anhin wurden sowohl Architektur- und Ingenieurwettbewerbe als auch die Grundprinzipien für die Durchführung von Studienaufträgen in der SIA Ordnung 142 für Architektur- und Ingenieurwettbewerbe beschrieben. Wie Blaise Junod, Präsident der Kommission für Architektur- und Ingenieurwettbewerbe SIA 142, gegenüber den Delegierten erläuterte, führten inkohärente und unvollständige Aussagen zum Studienauftrag sowie dessen zunehmender Stellenwert vor zwei Jahren zum Start der Erarbeitung einer eigenständigen Ordnung 143 für Architektur- und Ingenieurstudienaufträge. Bei der Arbeit habe sich aber schnell gezeigt, dass auch die Ordnung 142 gewisser Überarbeitungen bedurfte. Folgende wesentliche Ergänzungen und Änderungen wurden vorgenommen: Die neue Möglichkeit einer optionalen und anonymen Bereinigungsstufe, die Entschädigung des Gewinners bei einer Reduktion des in Aussicht gestellten Folgeauftrags, die Präzisierung der aus dem Wettbewerb resultierenden Ansprüche, die Erhöhung der Entschädigungen bei Missbräuchen und die Neuformulierung des Vorgehens bei Streitfällen. Neu wird in der Ordnung auch auf das Erstellen von Gutachten, Stellungnahmen und Konformitätsbescheinigungen durch die Kommission SIA 142/143 sowie das Verfassen von Erläuterungen und Kommentaren zur Interpretation und Anwendung der Ordnungen hingewiesen. Schliesslich wurden verschiedene Artikel um den Aspekt der Teambildung ergänzt und die Aufgaben sowie die Verantwortung der Wettbewerbsjury präzisiert. Die Delegierten stimmten der Revision zu und gaben die neuen Ordnungen 142 und 143 zur Publikation frei. Diese ist für Ende Juni vorgesehen.
Thomas Müller, PR/Kommunikation SIA
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