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News



13.03.2009

Der Brückenwettbewerb


Gegenwärtig ist ein Trend festzustellen, dass für die Planung von Brücken vermehrt Wettbewerbe veranstaltet werden. Entsteht damit auch mehr Qualität? Die Stiftung Forschung Planungswettbewerbe organisierte anfangs Februar 2009 zusammen mit der Gesellschaft für Ingenieurbaukunst in Bern ein Kolloquium zu diesem Thema.

Der Churer Bauingenieur Jürg Conzett, Präsident der Gesellschaft für Ingenieurbaukunst, gab als Einstieg einen Rückblick über 200 Jahre Brückenwettbewerbe. Er leitete daraus vier aktuelle Thesen ab: Die Notwendigkeit der Darstellung des Wettbewerbbeitrages im Modell, die Bedeutung der Wettbewerbe für den Nachwuchs, der Wettbewerb als Plattform für Öffentlichkeitsarbeit und die Arbeit des Preisgerichts. Im letzten Punkt seines Referates streifte Conzett auch die Frage, wie das Preisgericht mit der in einem Wettbewerb sichtbar werdenden Varianz von Lösungen umgehen soll: Sind Projekte mit dem aufgrund des Wettbewerbs von der Jury als richtig erkannten Konzept in den vorderen Rängen zu platzieren oder soll aus der Vielfalt der im Wettbewerb eingereichten Konzepte das jeweils beste prämiert werden? Dies gab Stoff für eine Diskussion und führte dann zu einer weiteren Frage: Muss der Aufgabenbeschrieb das Konzept so weit wie möglich vorgeben, oder soll er eher Raum für ein breites Lösungsspektrum lassen?

Sicht der Bauherrschaft

Michel Donzel, Bauingenieur und bis 2004 im Bundesamt für Strassen für den Bereich Kunstbauten zuständig, beurteilte den Planungswettbewerb aus der Perspektive eines Bauherrn. Er sieht im Wettbewerb das primäre Ziel, hohe Qualität zu niedrigen Kosten zu erhalten; eine Projektkonkurrenz sei wegen ihrer Lösungsvielfalt deshalb der beste Weg. Die Wahl des geeigneten Verfahrens - Projektwettbewerb, Studienauftrag oder Submissionswettbewerb - ist dabei von der Aufgabenstellung abhängig. Ein im Referat verwendetes Beispiel waren die Wettbewerbe aus den 1970-er Jahren für die Kunstbauten entlang der Nationalstrasse N2 im Tessin, zu welchen der Architekt Rino Tami gestalterische Vorgaben machte. Die Gewichtung der Ästhetik im Brückenbau und wie mit öffentlichen Geldern aber auch dem öffentlichen Kulturraum umzugehen sei, wurde anschliessend diskutiert.

Sicht des Preisrichters

Thomas Vogel, Bauingenieur und Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich (ETHZ) behandelte aus der Sicht eines Preisrichters mit Erfahrung aus Ingenieur- und Architekturwettbewerben drei Fragenbereiche: Welche Projekte sind für Wettbewerbe geeignet, wie soll die Beurteilung ablaufen und wie kann der Aufwand für die Teilnehmenden beschränkt werden? Voraussetzungen für einen Wettbewerb seien der Wille zur Realisierung, eine Aufgabenstellung die Lösungsvarianten zulässt sowie eine gewisse Bereitschaft zum Risiko. Interessant waren Thomas Vogels Hinweise zur Methode der Beurteilung. Er verglich das bei Architekturwettbewerben übliche Auswahlverfahren über mehrere Rundgänge mit dem Punktebewertungssystem. Persönlich bekannte sich Vogel zum Vorgehen, wie man es aus Architekturwettbewerben kennt. Punktebewertungen würden für ihn die Gefahr bergen, das "obere Mittelmass" und nicht die beste Lösung zu begünstigen. Um den Aufwand zu reduzieren, empfahl Thomas Vogel eine Beschränkung der Anforderungen bei Berechnungen und Plänen. Er betonte zudem, dass ein Modell für die Beurteilung sicher notwendig sei. Dieses sei aber vom Auslober zu erstellen und zwar nur für die Projekte der engeren Wahl. Nicht nur der Aufwand würde reduziert werden, auch die Vergleichbarkeit wäre damit sichergestellt.

Sicht des Teilnehmenden

Massimo Laffranchi, Teilhaber eines Ingenieurbüros und Professor an der Accademia di Architettura in Mendrisio, ging aus der Sicht des Wettbewerbsteilnehmers auf die Verfahren ein. Auch er vertrat die Meinung, dass offene Verfahren durch die Variantenvielfalt potenziell zu Lösungen mit höherer Qualität führen. Er wies aber mit Nachdruck darauf hin, dass der Umfang der Anforderungen gerade bei offenen Verfahren mit grossem Teilnehmerkreis beschränkt werden müsste. Beispiele aus jüngerer Zeit dienten ihm zur Illustration einzelner Aspekte: Die Taminabrücke bei Pfäffers als offenes einstufiges Verfahren mit gutem Resultat, der zweistufige Gesamtleistungswettbewerb Langensandbrücke Luzern als Verfahren mit zu grossem Aufwand für die Teilnehmenden - "Lohnt es sich da noch mitzumachen?" - und zwei Beispiele, bei denen die Brücke nur ein Teil der Wettbewerbsaufgabe war. Mit diesen Beispielen verdeutlichte er, wie die unterschiedliche Grösse des Bearbeitungsperimeters die Art der Aufgabenformulierung beeinflusst.

Ausbick

Die interessante, von Joris van Wezemael, Geschäftsleiter der Stiftung Forschung Planungswettbewerbe, moderierte Veranstaltung, bot genügend Raum für eine angeregte Diskussion. Wichtige Aspekte wurden auf sachlicher Ebene angesprochen, ohne dass die naturgemäss oft unterschiedlichen Positionen von Auslober und Teilnehmenden zu sehr in den Vordergrund traten. Ein passendes Schlusswort setzte ein Teilnehmer der Veranstaltung mit seiner Frage. Er wollte wissen worin denn die immer wieder angesprochene Qualität einer Lösung wirklich bestehe. Dies an konkreten Beispielen zu diskutieren, sollten die beiden veranstaltenden Organisationen als Hausaufgabe mitnehmen. Das Thema für ein nächstes Forum sei hiermit vorgeschlagen.

Klaus Fischli