verein    aktuell    praxis  d | f   download   forum   links   kontakt  |  suchen    
home  

News



06.10.2008

Zweite Direktionsklausur 2008


Am 22. und 23. August 2008 traf sich die Direktion des SIA zur zweiten Klausur dieses Jahres in Bad Bubendorf. Im Mittelpunkt standen die Top-Themen 08/09 des SIA, insbesondere die Arbeiten am Energieleitbild und die Stellungnahme des SIA zur Revision des Gesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen.

Das letzte Energieleitbild (ELB) des SIA stammt aus dem Jahre 1993. Die Steuergruppe Energie im Bau, in der die verschiedenen SIA-Gremien vertreten sind, die sich mit Energiefragen auseinandersetzen, hat das Energieleitbild des SIA überprüft und aktualisiert. Peter Richner, Direktionsmitglied der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (Empa) und Delegierter der SIA-Direktion für Energiefragen, präsentierte an der Klausur den Entwurf. Neben der Überarbeitung des Energieleitbildes analysierte die Steuergruppe die bestehenden SIA-Normen und -Ordnungen zu Energiefragen. Insbesondere in Bezug auf die anzustrebenden Werte sollten sie anspruchsvoller gestaltet werden. Weiter ist auch die Positionierung des SIA in der ganzen Energiediskussion zu klären: Der Verein soll als treibende Kraft in der Diskussion um die energetische Erneuerung des Bauwerkes Schweiz wahrgenommen werden. Das Energieleitbild und die anderen Vorschläge wurden von der Direktion in einer ersten Lesung intensiv diskutiert, und sie werden nun durch die Steuergruppe präzisiert.

BöB-Revision

Ebenfalls eine klare und konzise Stellung­nahme des SIA ist gefragt in der laufenden Revision des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB). Der Gesetzesentwurf ist - trotz zahlreichen Interventionen und Vorschlägen seitens des SIA und bauenschweiz - nicht ausgewogen. Er gibt den Vergabestellen zu viele Gestaltungsmöglichkeiten, mit denen die Rechtssicherheit stark gefährdet wird. Die Beschaffung von Standardgütern wird noch zu oft mit derjenigen von Planerleistungen, deren Merkmale ein offener Lösungsweg und ein nicht präzis umschreibbares Ergebnis sind, gleichgesetzt. Die Planung als intellektuelle Dienstleistung wird nur am Rande erwähnt. Der Entwurf der Stellungnahme des SIA wurde an der Klausur eingehend besprochen. Nach einer weiteren Überarbeitung soll er an nahe stehende Organisationen versandt und der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Kompetenzen statt Quoten

2009 wird ein bewegtes Jahr für die Direktion des SIA. Neben dem Präsidenten Daniel Kündig haben auch Peter Rapp, Alfred Hagmann, Andreas Bernasconi und Pierre Henri Schmutz ihren Rücktritt auf das nächste Jahr angekündigt - wobei Kündig und Bernasconi die Option einer Verlängerung ihrer Amtszeit bis 2010 offen liessen. Trotzdem wird klar, dass in den nächsten Monaten einige langjährige Mitglieder der Direktion und der Präsident zu ersetzen sein werden. Im Vordergrund soll nach wie vor die Suche nach Kompetenzen stehen und nicht die Erfüllung von Quoten. Gefragt sind Persönlichkeiten, die bereit sind, ein entsprechendes Engagement und den nötigen Einsatz für einen substanziellen Beitrag zu erbringen. Mit grossem Bedauern musste die Direktion auch Kenntnis vom Rücktritt ihres Mitglieds Peter Marti nehmen (TEC21 39/2008, S. 45).

Top-Themen 08/09

Ein regelmässiges Geschäft der Direktion an ihren Klausuren ist die Überprüfung der Arbeiten zur Umsetzung ihrer Schwerpunkt­anliegen, den sogenannten Top-Themen der Direktion. Bereits erwähnt wurden die Arbeiten am Energieleitbild ? aktiveres Handeln in Energie- und Klimafragen ? und die Stellungnahme zur Revision des Gesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen, wo sich der SIA für ein praxisgerechtes Vergabewesen einsetzt. Auch die vermehrte Anerkennung der Kompetenz der SIA-Fachleute ist ein wichtiges Anliegen der Direktion. Die Arbeiten für die zweite Auflage der Auszeichnung "Umsicht" 2009?/?10 haben begonnen. Damit und mit diversen Medien- und Messeauftritten leistet der SIA einen wesentlichen Beitrag zur Anerkennung der Kompetenz seiner Mitglieder und ihrer wichtigen Leistung für den Lebensraum. Weiter intensivieren sich die Kontakte zu ausländischen Verbänden. Zu erwähnen sind hier insbesondere der Austausch mit dem Bund Deutscher Architekten (BDA) oder der Bundesarchitektenkammer, mit welchen die Möglichkeit von Kooperationsverträgen diskutiert werden. Ein solcher konnte mit der American Society of Civil Engineers (ASCE) unterzeichnet werden; mit dem American Institut of Architects (AIA) besteht bereits ein Vertrag. Ziele der Kooperationsverträge sind die gegenseitige Anerkennung der Qualifikationen der Mitglieder und die gegenseitige Erleichterung des Marktzuganges.

Mitgestalten

Die Mitwirkung und Einflussnahme auf das neue Raumkonzept und die Bildungspolitik der Schweiz sind zwei weitere wichtige Themen des SIA. Der Bericht zum "Raumkonzept Schweiz", dem Nachfolgedokument zu den "Grundzügen der Raumordnung Schweiz" aus dem Jahr 1996, liegt vor. Das neue Raumkonzept bildet die strategische Basis für die Raumentwicklung in der Schweiz für die kommenden 15 bis 20 Jahre und die Revision des Raumplanungsgesetzes (RPG), das Ende Jahr in die Vernehmlassung gegeben wird. Der Fachverband Schweizer RaumplanerInnen (FSU) wird für die nächste Präsidentenkonferenz des SIA einen Workshop organisieren, um zusammen mit der Direktion und den Präsidenten der Sektionen, Fachvereine und Berufsgruppen die Grundlage zu einer Stellungnahme des SIA zur RPG-Revision zu erarbeiten. Bisher geschah das praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das verstärkte Einbringen der Anliegen des SIA im bildungspolitischen Umfeld trägt langsam Früchte. Auch wenn die Vorschläge von SIA und bauenschweiz bei den letzten Wahlen des ETH-Rates unberücksichtigt geblieben sind, so scheint sich doch etwas zu bewegen. Nationalrätin Christa Markwalder ist ebenfalls erstaunt über die fachliche Zusammensetzung des ETH-Rates und hat den Bundesrat um eine Stellungnahme gebeten. Der Direktionsausschuss Bildung des SIA hat Ende Juni eine erste Positionierung zur aktuellen Bildungspolitik vorgenommen. Ein Grundsatzpapier ist noch in Arbeit. Das Generalsekretariat des SIA hat im Auftrag der Direktion ein Konzept für den schweizweiten Berufsmessenauftritt entwickelt. Mit einem attraktiven Stand soll ab 2009 in Zusammenarbeit mit den Sektionen in der ganzen Schweiz für die Berufe, die im SIA vertreten sind, geworben werden.

Thomas Müller, Leiter PR/Kommunikation SIA