16.06.2008
Delegiertenversammlung
Die freiberuflich Erwerbstätigen in der Schweiz brauchen Unterstützung, um besseren Zugang zum europäischen Markt zu erhalten. Doch der Bundesrat schenkt dem Thema nach wie vor zu wenig Aufmerksamkeit. Dieser Meinung waren Daniel Kündig, Präsident des SIA, und Urs Schwaller, Ständerat und Präsident des Schweizerischen Verbandes freier Berufe (SVFB), anlässlich der vergangenen Delegiertenversammlung des SIA.
Am 24. Mai trafen sich die Delegierten des SIA zum ersten Mal in diesem Jahr im Berner Kornhausforum. Themen waren, neben den Anliegen der Freiberufler, der Geschäftsbericht 2007 des SIA, die Jahresrechnung 2007 und Neuwahlen in die Direktion sowie in die Zentralkommission für Normen und Ordnungen (ZNO). Die Delegierten befanden auch über die Aufnahme der Schweizerischen Gesellschaft für Boden- und Felsmechanik (SGBF) als Fachverein SIA. Die Direktion informierte über ihre Topthemen für die Jahre 2008 und 2009 und stellte ihre Forderungen zu Public Private Partnership (PPP) im Bau vor.
Interessen der Freiberufler wahren
Die Stellungnahme des Bundesrates auf seine jüngste Interpellation zur Übernahme der neuen EG-Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen stimme nicht gerade positiv, meinte Ständerat Schwaller, Gastredner an der Delegiertenversammlung. Wie nebensächlich dem Bundesrat die Freiberufler seien - die immerhin gegen acht Prozent des Bruttoinlandproduktes erarbeiten - verdeutlichten auch die lückenhaften Daten des Bundesamtes für Statistik zu dem Thema. Doch aufgeben dürfe man deswegen nicht. Vielmehr gelte es nun, sich mit dem SVBF für verbesserte Bedingungen für die berufliche Mobilität im Ausland einzusetzen. "Wir wollen, dass die Freiberufler der Schweiz, die in der EU arbeiten möchten, die gleichen Vorraussetzungen antreffen, wie sie für die jeweiligen Staatsangehörigen in den EU-Ländern gelten", sagte Schwaller. Er betonte noch einmal, dass es unabdingbar sei, den SIA als Berufsverband in die Diskussion um die Anerkennung der Berufsqualifikation mit einzubeziehen. Seine Beurteilungskompetenz auf dem Gebiet der Berufsbefähigung von Architekten und Ingenieuren sei deshab unverzichtbar. Daniel Kündig bezeichnete die Stellungnahme des Bundesrates gar als "schnoddrig". Dies weil der Bundesrat auch verlauten liess, dass sich selbst bei einer Übernahme der neuen EG-Richtlinie für die in der Schweiz unreglementierten Berufe - Architekten und Ingenieure gehören dazu - nichts ändern würde. Das sei sehr schade, denn konsequent umgesetzt und angewandt wäre die neue Richtlinie tatsächlich eine Chance. Eine Chance für die Fachleute und damit für die Umwelt und die Gesellschaft.
Personelle Wechsel
Als Nachfolger von Blaise Junod wählten die Delegierten Eric Frei, Architekt aus Lausanne, in die Direktion. Der 41-jährige Frei schloss 1993 sein Architekturstudium an der EPF Lausanne ab und arbeitete danach als Assistent an der EPFL sowie als Architekt in Basel und Genf. Zusammen mit Kaveh Rezakhanlou ist er seit 2001 Inhaber eines eigenen Architekturbüros in Lausanne. In den vergangenen drei Jahren war er Präsident der Sektion Waadt. Auch in der ZNO standen personelle Wechsel an. Neu in die Kommission wählten die Delegierten Markus Tütsch, Bauingenieur FH/SIA aus Niederhasli, und Christian Schärer, Ökonom aus Zürich. Tütsch vertritt in der ZNO den Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) und Schärer den Schweizerischen Verband der Strassen- und Verkehrsleute (VSS). Sie ersetzen die zurückgetretenen Benno Kästli und Hans Lichtsteiner.
SGBF ist neuer Fachverein SIA
Mit Applaus stimmten die Delegierten auch der Aufnahme der SGBF als Fachverein in den SIA zu. Die Gesellschaft, die schon seit langem in engem Kontakt zum SIA steht, verfolgt mit ihren etwas mehr als 400 Mitgliedern das Kernziel, die Kenntnisse im Bereich der Boden- und Felsmechanik, der Gründungstechnik, des Untertagbaus und der Ingenieurgeologie zu fördern und vermehrt zur Anwendung zu bringen. Der neu gestaltete Geschäftsbericht des SIA - zum ersten Mal in deutscher, französischer und italienischer Sprache - wurde von den Delegierten genauso angenommen wie die Jahresrechnung 2007. Der Verlust in der Jahresrechnung 2007 von 128?000 Franken sei unerfreulich, aber kein strukturelles Problem, meinte Markus Bühler, Direktionsmitglied des SIA und Quästor. Die Rechnung widerspiegle verschiedene Investitionen des SIA wie in SIA-Service, die Webnorm SIA und den Mieterausbau der Stockwerke elf und zwölf des Generalsekretariates an der Selnaustrasse 16 in Zürich.
PPP im Bau
Ein zu kurz greifendes Renditedenken dominiere gegenwärtig die Diskussion um Public Private Partnership im Hoch- wie auch im Tiefbau, meinte Daniel Kündig. Was zähle, sei aber auch hier ein gesamtheitliches Denken, um die Interessen der Gesellschaft als Ganzen wahrzunehmen. Dafür muss die Rolle der Planer innerhalb der PPP-Verfahren gestärkt und deren Position verbessert werden. Die Direktion hat ein Papier mit vier Kernforderungen zu PPP Bau verabschiedet (TEC21 Nr. 23, S. 36). Daneben will sich die Direktion weiterhin fokussiert für ein praxisgerechtes Vergabewesen sowie die Anerkennung der Kompetenz des SIA und seiner Mitglieder einsetzen. Auch will sie nach wie vor verstärkt im bildungspolitischen Umfeld mitwirken und die Werkvertragsnormen aufarbeiten. Einen aktiven Beitrag will die Direktion zur Energie- und CO2-Problematik leisten sowie auch zum Raumkonzept der Schweiz. Daniel Kündig zeigte sich befremdet darüber, dass das neue Raumkonzept Schweiz faktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutiert wird. Solch grundlegende Themen sollten in einem offenen, die kompetenten Fachleute integrierenden Prozess entwickelt werden. Deshalb wird der SIA in Zusammenarbeit mit dem Fachverein für Raumplanung (FSU) verstärkten Einfluss auf die Revision des Raumplanungsgesetzes (RPG) und die zukünftige Entwicklung des Lebensraumes Schweiz nehmen.
Thomas Müller, Leiter PR/Kommunikation
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