Sowohl Basel-Stadt als auch das Bundesland Bayern machen es auf beispielhafte Weise vor: Beide suchen für die Herausforderung des Klimaschutzes gezielt die Zusammenarbeit mit Fachleuten. Basel und Bayern gehen damit einen neuen und sehr begrüssenswerten Weg.
Das basel-städtische Amt für Umwelt und Energie (AUE) startet ein Klimaschutzprogramm und vermittelt die Fachleute des SIA als kompetente Ansprechpartner und Berater. Gleichzeitg verstärkt das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz seine Klima-Allianz mit den Fachleuten aus der Bayerischen Architektenkammer, der sogenannten Ingenieurekammer, und dem Landesverband des Bundes Deutscher Architekten. Die Planungs- und Bauprofis spielen eine entscheidende Rolle, denn allein in der Schweiz liegt ein Energie-Einsparpotenzial von gegen 50 Prozent im Gebäudepark.
SIA-Energiecoaches
Das AUE hat Anfang 2008 ein Gesamtsanierungsprogramm gestartet, das drei Jahre dauert und über ein Budget von 12 Millionen Franken verfügt. Hauptziel der Kampagne ist es, im Kanton Basel-Stadt mindestens 200 Gebäude unterschiedlicher Grösse (Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser) nach energetischen Grundsätzen zu sanieren. Damit lassen sich laut AUE pro Jahr bis zu 20 Millionen Kilowattstunden Heizenergie sparen und die Umweltbelastung entsprechend reduzieren. Ein Nebenziel der Kampagne ist, mit den öffentlichen Geldern private Investitionen auszulösen, die wiederum der lokalen Bauwirtschaft zugute kommen. Der SIA Basel unterstützte die Kampagne mit folgenden Mitteln:
- Teilnahme an Arbeitsgruppensitzungen
- Einbringen der Planersicht, das heisst konkret der Abläufe nach LHO 102/103/108/112
- Mitarbeit an den Pflichtenheften der
Energiecoaches
- Schreiben an die Mitglieder des SIA Basel zur Bewerbung der
Energiecoaches
- ideelle Unterstützung in Form des SIA-Basel-Logos.
Anders als bei der Erneuerung von einzelnen Gebäudeteilen braucht es - aufgrund der Komplexität der Aufgabe - bei Gesamtsanierungen solides bau- und energietechnisches Wissen und entsprechende Erfahrung, um die energetischen Ziele zu erreichen. Zusätzlich zu den attraktiven Beiträgen sorgt das Förderprogramm deshalb dafür, dass Hausbesitzende fachlich unterstützt werden: Eigentümer (Bauherr/-in) erhalten kostenlos eine umfassende Fachberatung und werden während des ganzen Projektes von den
Energiecoaches begleitet. Bei diesen handelt es sich um sechzehn anerkannte Fachleute aus der Baubranche, die im Bereich von Bauenergiefragen theoretisch und praktisch beschlagen und darüber hinaus mit den örtlichen Verhältnissen vertraut sind. Die
Energiecoaches sind vom Kanton Basel-Stadt akkreditierte Fachleute, die allesamt aus dem SIA stammen. Auf der Website www.energie.bs.ch kann sich jeder Hausbesitzende seinen persönlichen
Energiecoach auswählen. Die
Energiecoaches entlasten und beraten nicht bloss die Bauherren - sie stellen auch die Qualität der Sanierungen sicher und gewährleisten eine laufende Erfolgskontrolle.
Allianz mit Planungsprofis
Die Bayerische Architektenkammer (ByAK), seit kurzem Kooperationspartnerin des SIA, berichtet in einer Medienmitteilung, dass der Umweltminister Otmar Bernhard das 5. Bayerische Klimabündnis mit der Bayerischen Architektenkammer, der Ingenieurekammer und dem Landesverband des Bundes Deutscher Architekten Ende Februar 2008 in München unterzeichnet hat. Bayern wird in den kommenden vier Jahren 186 Millionen Euro aus dem Klimaprogramm Bayern 2020 in die Sanierung staatlicher, kommunaler und kirchlicher Liegenschaften investieren. Ziel ist die energetische Sanierung, aber auch die Entwicklung von zukunftsweisenden Beispielen aus der Praxis für Gemeinden und private Bauherrschaften. Die TU München bietet in diesem Zusammenhang den neuen Studiengang Clima-Design an. Zudem werden im ganzen Raum Bayern fünfzehn Schulen zu sogenannten Schwerpunktschulen Architektur aufgebaut, wo schon schon Kindern und Jugendlichen das Thema Klimaschutz vermittelt wird.
Nach Lutz Heese, dem Präsidenten der Bayerischen Architektenkammer, ist der Klimaschutz eine grundsätzliche Aufgabe der Architekten. Die Architekten seien aufgefordert, die politischen Rahmenbedingungen bei der Umsetzung ehrgeiziger Klimaschutzziele aktiv mitzugestalten und gleichzeitig verpflichtet, diese in der beruflichen Praxis umzusetzen. Die Thematik sei von höchster sozialer Bedeutung, habe direkte Auswirkungen auf die Flächen- und Regionalplanung, auf den Städtebau und die Architektur und eröffne damit auch Möglichkeiten zum kostensparenden Betrieb von Gebäuden. Der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer, Heinrich Schroeter, kommentierte die Unterzeichnung der Allianz mit den folgenden Worten: "Es sind die Ingenieure, die mit ihrem Sachverstand die technischen Innovationen entwickeln können, die notwendig sind, um unsere begrenzten Ressourcen zu schonen und die CO2-Emissionen auf ein verträgliches Mass zu reduzieren. Nicht nur im Hochbau, auch im Bereich der Infrastruktur, also bei Brücken, Abwasserkanälen, Dämmen und anderen Ingenieurbauwerken, muss der grosse Beitrag für den Klimaschutz bereits bei der Planung erbracht werden."
Thomas Müller, Leiter PR/Kommunikation SIA
Details
Auf www.energie.bs.ch sind die Bedingungen aufgeführt, die erfüllt werden müssen, um am Förderprogramm der Stadt Basel teilzunehmen. Einige wichtige Punkte:
- Die zu sanierenden Objekte müssen vor 1984 erstellt worden sein (Einführung Energiegestz)
- Der Wohnanteil muss mindestens 70 Prozent betragen
- Grundsätzlich sind zusammenhängende Flächen (Aussenwände, Dach und Fenster) gesamthaft zu erneuern
- Das Beitragsgesuch muss in der Regel vor Baubeginn beim AUE eingereicht werden
- Der Regierungsrat hat ein Totalbudget von 12 Millionen Franken bewilligt. Ist diese Summe aufgebraucht, werden keine Beitragsgesuche mehr angenommen
www.klima.bayern.de informiert über die Grundsätze und Massnahmen der bayrischen Klimaschutzpolitik. Auch das Klimaprogramm Bayern 2020 wird vorgestellt. Drei Hauptmassnahmen stehen dabei im Vordergrund:
- Minderung der Treibhausgase
- Anpassung an den Klimawandel (Hochwasserschutz, Interventionen bei Wassermangel, Naturschutz)
- Forschung und Entwicklung
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